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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 370

8. Oktober 2020 – Frage von Colin Kraft an Minister MOLLERS zur Förderung der Erstsprache in der DG

Warum haben die bisherigen Maßnahmen im Rahmenplan diesen Trend nicht aufhalten können?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 
 
Frage von Colin Kraft (CSP):
 
Ostbelgien ist eine Sprachregion. Für Ausbildung, Handwerk und Berufsleben ist der Erwerb der deutschen und französischen Sprache grundlegende Voraussetzung. 
 
Zudem belegen Studien des Goethe-Instituts, dass das Beherrschen der Erstsprache für den Erwerb von Fremdsprachen absolut notwendig ist. Dabei steht das Lesen im Prozess des fortgeschrittenen Spracherwerbs im Mittelpunkt.  
 
Im Frühjahr 2020 wurde der siebte Durchgang der PISA-Studie vorgestellt. Nach 2000 und 2009 stellte das Lesen 2018 erneut die Hauptdomäne dar. Die Schüler in der Deutschsprachigen Gemeinschaft erreichen für den Bereich Lesen insgesamt 483 Punkte,  womit sie knapp unter dem OECD-Schnitt (487) liegen. 
 
20,6 % der ostbelgischen Schüler gehören zur „Lese-Risikogruppe“, also zur Gruppe welche eine sehr geringe Lesekompetenz aufweisen. Lediglich 5 % der ostbelgischen Schüler gehören zur Gruppe der sehr starken Leser. Ein alarmierender Negativtrend, der sich noch in weiteren Zahlen der PISA-Studie ausdrückt.  
 
Hierzu meine Fragen: 
- Warum haben die bisherigen Maßnahmen im Rahmenplan diesen Trend nicht aufhalten können? 
- Welche Maßnahmen wird die Regierung ergreifen, um den Trend aufzuhalten? 
- Inwiefern wird im Fach „Deutsch“ der Rahmenplan verändert, um mehr Raum für das Lesen zu gewährleisten?
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Kolleginnen und Kollegen,
 
die Kompetenzen im Bereich Lesen und Leseverständnis stellen einen wichtigen Bestandteil in den Rahmenplänen dar. 
Auch in zahlreichen Weiterbildungen und Implementierungsveranstaltungen wurde dieses Thema mit den Lehrpersonen intensiv bearbeitet.
 
Auch wenn wir weiterhin im OECD-Durchschnitt liegen, ist die Regierung sich durchaus der Tatsache bewusst, dass dieser Negativtrend vorhanden ist. 
Dem liegen sicher viele Faktoren zugrunde, nicht zuletzt die Tatsache, dass Schüler heutzutage teils weniger lesen oder zumindest andere Medien als Bücher und Zeitungen konsumieren. 
Deshalb hat die Regierung im REK III das Projekt „Sprachbildung und Mehrsprachigkeit fördern“ verankert, das den Fokus neben der weiteren Förderung der Fremdsprachen auch auf die intensive Förderung der Unterrichtssprache legt. 
 
Im Rahmen des Projekts wird der Fachbereich Pädagogik beispielsweise ab diesem Schuljahr die Aktivitäten zur Förderung der Unterrichtssprache im Kindergarten beobachten, um im Anschluss gezielte Weiterbildungen und Beratungen durchführen zu können. 
Auch wird es eine breite Sensibilisierung der Schulen vom Kindergarten bis zur Sekundarschule zur Förderung der Unterrichtssprache und der durchgängigen Sprachbildung, d.h. Förderung der Bildungssprache in allen Schulstufen und Schulfächern geben. 
Diese wiederum soll dann der Startschuss zum Aufbau von schulinternen Konzepten zur durchgängigen Sprachbildung an Schulen sein.
 
Die Überarbeitung des Rahmenplans Deutsch für die Primarschule und die erste Stufe der Sekundarschule steht ab 1. Halbjahr 2021 an. 
Selbstverständlich wird der Bereich Lesen und Leseverständnis vor den aktuellen Erkenntnissen aus den PISA-Studien bearbeitet werden. 
Lesen ist heutzutage DIE Grundkompetenz und die Voraussetzung für schulischen Erfolg und lebenslanges Lernen. 
Deshalb ist es wichtig, das Lesen im Deutschunterricht und darüber hinaus zu fördern, nicht nur in anderen Unterrichtsfächern, sondern auch außerhalb der Schule.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
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