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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 447

2. Dezember 2020 – Frage von E. Jadin an Minister Antoniadis zur Suizidprävention in Zeiten der Corona-Krise

Wie sehen - vor allem in Bezug auf die aktuelle Krise und die damit verbundenen neuen Herausforderungen – die getroffenen Maßnahmen zur Suizidprävention bei Erwachsenen aus?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Evelyn Jadin (PFF):

Die Ausbreitung der Corona-Pandemie erzeugt in erheblichem Maß Angst, Sorge und Unruhe.
Was die psychische Gesundheit angeht, sind erhöhte Raten an Stress oder Ängsten derzeit die vorwiegende psychologische Auswirkung. 
Jede Altersgruppe nimmt die Corona-Pandemie anders auf und geht anders mit ihr um. 
Bestimmte Konstellationen können jedoch für Menschen besonders vulnerabel sein und unter anderem zu Depressionen führen. 
Hinzukommen existenzielle Bedrohungen und ökonomische Einschränkungen. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, des Geschäftes und vor möglichen Verschuldungen wächst im Laufe der Pandemie. 
Einsamkeit, Alleinsein und Existenzängste durch die Corona-Pandemie können das Risiko für suizidale Krisen steigern.
Am 16. November 2020 hat sich Alysson Jadin, eine junge 24-jährige Friseurin das Leben genommen. Im August hatte sie in Lüttich ihren großen Traum wahr gemacht und ihren Salon eröffnet. Wenige Wochen danach traten die neuen Corona-Bestimmungen in Kraft, und Alysson durfte nicht mehr öffnen. Von da an erlebte sie den Alptraum zahlloser kleiner und mittlständiger Unternehmen in unserer Gesellschaft. 
In einem BRF Interview vom 20. November 2020 erklärte Achim Nahl, der therapeutische Leiter des BTZ, dass es häufiger passiere als man denke, dass Menschen in Belastungssituationen denken, dass sie durch den Tod aus dieser Situation herauskommen. Dabei ginge es oft nicht darum, nicht mehr leben zu wollen, sondern darum, dass man so nicht mehr weiterleben wolle. 

In diesem Zusammenhang sind meine Fragen nun an Sie, werter Herr Minister, folgende: 
­ Wie sehen - vor allem in Bezug auf die aktuelle Krise und die damit verbundenen neuen Herausforderungen – die getroffenen Maßnahmen zur Suizidprävention bei Erwachsenen aus?

Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales, Raumordnung und Wohnungswesen:

Ich bin – wie viele Menschen – tief bestürzt über den Freitod der besagten jungen Frau aus Lüttich. 
Selbstmordgedanken und die in manchen Fällen herbeigeführte Tat sind keine Krankheit, sondern Symptome eines zugrundeliegenden Problems. 
Eine Einschätzung der Situation ist daher sehr komplex und vielschichtig.
Ich warne übrigens davor die Tat der jungen Frau mit den Corona-Maßnahmen zu erklären. Meines Wissens gab es keinen Abschiedsbrief. 
Die wahren Hintergründe für diese Tat werden leider nie geklärt werden können.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn die aktuelle Situation die psychische Gesundheit der Menschen stark beeinflusst. Es ist eine sehr herausfordernde Zeit für uns alle. Bei manchen Menschen wirkt die aktuelle Situation wie ein Brandbeschleuniger. 
Das darf man nicht unterschätzen.
In der DG gibt es neben den niedergelassenen Psychologen verschiedene Angebote, um sich Hilfe zu holen, die von der Regierung bezuschusst werden.
Zum einen gibt es die Telefonhilfe, die als niederschwelliges Angebot fungiert. 
Daneben gibt es das Beratungs- und Therapiezentrum (BTZ), das in solchen Fällen auf jeden Fall kontaktiert werden kann. Ich habe dem Dienst übrigens bei Personalbedarf aufgrund von Corona eine zusätzliche finanzielle Unterstützung zugesagt.
Darüber hinaus haben wir die Kampagne des Patienten Rat & Treffs zur mentalen Gesundheit unterstützt, die im Monat Oktober durchgeführt wurde. 
Zudem haben wir allen Diensten, die in der Corona-Zeit gefordert waren, Finanzmittel für die psychosoziale Begleitung der Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. 
Wir befinden uns aktuell übrigens mit dem Föderalstaat im Gespräch, um mehr Mittel für die Schaffung zusätzlicher Angebote im Bereich der mentalen Gesundheit zu erhalten. 
Der Föderalstaat hatte als zuständige Instanz angekündigt, entsprechende Mittel für solche Zwecke freizumachen.
Weitere Informationen finden sich in der Antwort auf die Schriftliche Frage 75, vom 27/08/2020 zu der steigenden Suizidgefahr aufgrund der Corona-Krise.

 

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