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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 551

10. Februar 2021 – Frage von D. Stiel an Minister Antoniadis zu den neuen Richtlinien für Mund-Nasen-Masken in Belgien

Wann treten die neuen Richtlinien der RAG als offizieller Erlass in Kraft?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Diana Stiel (Vivant):

Die Experten der Risk Assessment Group haben letzte Woche neue Richtlinien für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Belgien ausgearbeitet.* 
FFP2 Masken seien zwar geringfügig effizienter, werden aber nicht allgemein vorgeschrieben, weil sie zu teuer, nicht wiederzuverwenden und nicht angenehm zu tragen sind. Ebenfalls soll man diese Art Maske alle 4 Stunden austauschen. In Deutschland darf man eine FFP2 Maske laut Arbeitsschutz eigentlich nur maximal 75 Minuten am Stück tragen, mit anschließender Erholungsdauer von 30 Minuten und widersprüchlicher Weise, rät man nun dort das Tragen von FFP2 Masken an. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC sieht auch keinen Mehrwert in der universellen Verwendung im Alltag.** 
Nur am Rande sei erwähnt, dass viele der von der ECDC angeführten Gründe gegen die FFP2-Masken auch schon gegen die Alltagsmaske vorgebracht und von den Regierungen verworfen wurden.

Schals, Kopftücher und Halsbedeckungen dürfen nicht mehr als Alternative verwendet werden, da ihre Filterleistung extrem zufällig ist. 
Da der Nutzen des Tragens einer Maske nach wie vor wissenschaftlich nicht bewiesen ist und die Einführung der Maskenpflicht weder die weitere Ausbreitung des Virus, noch die 2. Welle verhindern konnte, sind diese Regelungen wohl eher als weitere symbolische, sowie erzieherische Maßnahmen zu verstehen. 

In Ihrer Funktion als Gesundheitsminister, welcher für die Prävention zuständig ist, möchten wir Ihnen folgende Fragen stellen:
- Wann treten die neuen Richtlinien der RAG als offizieller Erlass in Kraft?
- Gab es vermehrte Infektionen bei Schalträgern, die zu diesen Richtlinien der RAG führten?
- Kann es nicht sein, dass diese neuen Richtlinien wieder nur Aktionismus seitens der Politik und der Virologen darstellen, wissend, dass man sich, nachdem Deutschland die FFP2-Masken teils verpflichtend einführt, nun auch mit neuen Regeln profilieren will?

Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales, Raumordnung und Wohnungswesen:

Was den ergänzenden Nutzen von Mund- und Nasenschutzbedeckungen im Rahmen der Corona-Pandemie angeht, gibt es einen wissenschaftlichen Konsens.

Im Fachmagazin „The Lancet“ ist übrigens eine Meta-Analyse mit interessanten Ergebnissen hinsichtlich des Tragens von Masken zum Selbstschutz erschienen.

Aus dieser Analyse geht hervor, dass Abstand halten, das Tragen einer Maske und einer Schutzbrille zum Selbstschutz beitragen und das Risiko einer Infektion reduziert. Die Aussagekraft ist natürlich begrenzt, weil unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz kamen.
Masken sind deshalb weiterhin, wenn es um den Schutz unserer Mitmenschen geht, ein ergänzendes Mittel zum Abstandhalten. 
Sie halten Viren ab und sind, gerade in Situationen, wo das Abstand halten nicht ausreichend möglich ist, von Nutzen. 

Je hochwertiger die Maske ist, umso grösser ist, bei einer korrekten Anwendung, die Schutzwirkung. Zu diesem Ergebnis kamen japanische Forscher bei einem Experiment. Die Forscher konnten allerdings nicht beantworten, ob (die Maske) eine Ansteckung im Sinne des Selbstschutzes definitiv verhindert. 

Nun zu Ihren Fragen: 

Die Aussagen des RAG bleiben vorerst wissenschaftliche Empfehlungen. Es ist also kein Erlass in Planung, der eine Verpflichtung vorsieht. 
Natürlich können Behörden, Einrichtungen und Betriebe das Tragen von Schals oder Bandanas für diesen Zweck verbieten. 
Was das Infektionsrisiko bei Schalträgern angeht, so weise ich auf die Begründung des RAG hin, wonach die Filterung der Partikel über diese Art Bedeckung nicht sicher ist. Daneben weise ich aber auch erneut auf die Ergebnisse des japanischen Experiments hin. 
Ich finde nicht, dass das Gutachten des RAG von Aktionismus geprägt ist. Viele Bürger haben Fragen zum Umgang mit Mund- und Nasenbedeckungen. Das gilt auch für Ostbelgien, wo man im Einfluss des Konsums deutscher Medien steht. Dort sind OP oder FFP2-Masken in einigen Lebensbereichen verpflichtend. 

Zuvor hatte die Bundesregierung beschlossen, eine bestimmte Anzahl FPP2-Masken kostenlos an Senioren zur Verfügung zu stellen. 
Daraufhin habe ich mehrfach bei der Föderalregierung sowie Sciensano die Bewertung einer solchen Maßnahme für Belgien gefordert. Der RAG kam der Forderung mit diesem Gutachten nach. 

Das RAG-Gutachten empfiehlt das Tragen von FFP2-Masken nicht für die Allgemeinbevölkerung. Auch deutsche Experten zweifeln mittlerweile an der Notwendigkeit von FFP2-Masken im Alltag und verweisen auf die Alltags- sowie chirurgische Maske.

Zusatzinformationen:

Anlage: RAG-Gutachten als PDF-Datei 
Stellungnahme der DGKH und GHUP
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) zur Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Personennahverkehr und im Einzelhandel
Lesen Sie die vollständige Stellungnahme im PDF

Die bayerische Staatskanzlei berichtet aus der Kabinettssitzung vom 12. Januar 2021, dass mit Blick auf die weiterhin sehr hohe Infektionsdynamik und zur stärkeren Eindämmung des Infektionsgeschehens der Ministerrat beschlossen habe, eine Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske im öffentlichen Personennahverkehr und im Einzelhandel ab Montag, den 18. Januar 2021, zu verordnen. Nach Mitteilung des bayerischen Gesundheitsministers soll die FFP2-Maskenpflicht in Bayern für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren nicht gelten.
Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) sieht diesen Beschluss kritisch und empfiehlt dringend eine Überprüfung des Beschlusses und begründet ihre Auffassung nachfolgend.
Die Verwendung von Masken zum Schutz der Übertragung von Tröpfchen zählt als Teil der AHA+L-Regel zu den Grundpfeilern der Infektionsprävention von COVID-19.
Bisher war allgemeiner Konsens, dass im öffentlichen Bereich das Tragen einer sog. Mund-Nasenbedeckung (MNB) beziehungsweise von medizinischen Gesichtsmasken (MNS), falls in ausreichender Zahl verfügbar, empfohlen wird. Letzteres wird bislang auch in Kliniken praktiziert, in welchen das Tragen von medizinischen Gesichtsmasken als Standard zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern angesehen wird. Das Tragen von Partikelfiltrierenden Halbmasken (FFP2) zum Eigenschutz der Mitarbeiter wird lediglich bei Aerosol generierenden Maßnahmen u.a. auf Intensivstationen oder in der unmittelbaren Betreuung von Covid-19-Patienten bzw. bei der Verdachtsabklärung als erforderlich angesehen.
Bislang galt diese Maßnahme entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes und des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als ausreichend, um den Schutz der Bevölkerung im öffentlichen Bereich zu gewährleisten.
Bei der jetzt in Bayern vorgeschriebenen Verwendung von FFP2-Masken in der Öffentlichkeit muss jedoch folgendes berücksichtigt werden:
Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes, ist das Tragen von FFP2-Masken durch geschultes und qualifiziertes Personal im medizinischen Bereich im Rahmen des Arbeitsschutzes vorgeschrieben, wenn patientennahe Tätigkeiten mit erhöhtem Übertragungsrisiko durch Aerosolproduktion, z.B. eine Intubation, durchgeführt werden.
Beim bestimmungsgemäßen Einsatz von FFP2-Masken muss eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung im Voraus angeboten werden, um durch den erhöhten Atemwiderstand entstehende Risiken für den individuellen Anwender medizinisch zu bewerten. Der Schutzeffekt der FFP2-Maske ist nur dann umfassend gewährleistet, wenn sie durchgehend und dicht sitzend (d.h. passend zum Gesicht und abschließend auf der Haut) getragen wird.
Bei der Anwendung durch Laien ist ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen Mund-Nasenschutzes (MNS) hinaus daher nicht zwangsläufig gegeben.
In den „Empfehlungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zum Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2“ werden FFP2-Masken nicht zur privaten Nutzung empfohlen.
Gemäß Vorgaben des Arbeitsschutzes ist die durchgehende Tragedauer von FFP2-Masken bei gesunden Menschen begrenzt (i.d.R. 75 Minuten mit folgender 30-minütiger Pause), um die Belastung des Arbeitnehmers durch den erhöhten Atemwiderstand zu minimieren. Bedingt durch den zweckbestimmten, zielgerichteten Einsatz sind keine Untersuchungen zu den gesundheitlichen, ggf. auch langfristigen Auswirkungen der Anwendung von FFP2-Masken außerhalb des Gesundheitswesens z.B. bei vulnerablen Personengruppen oder Kindern verfügbar.
Bei Gesundheitspersonal sind Nebenwirkungen wie z.B. Atembeschwerden oder Gesichtsdermatitis infolge des abschließenden Dichtsitzes beschrieben. Beim Einsatz bei Personen mit z.B. eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen sind gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen.
Die Anwendung durch Laien, insbesondere durch Personen, die einer vulnerablen Personengruppe angehören (z.B. Immunsupprimierte) sollte grundsätzlich nur nach sorgfältiger Abwägung von potentiellem Nutzen und unerwünschten Wirkungen erfolgen. Sie sollte möglichst ärztlich begleitet werden, um über die Handhabung und Risiken aufzuklären, einen korrekten Dichtsitz zu gewährleisten, die für den Träger vertretbare Tragedauer unter Berücksichtigung der Herstellerangaben individuell festzulegen und gesundheitliche Risiken/Folgen zu minimieren.
Es gibt zunehmend Hinweise, dass auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen im Zusammenhang mit Ausbrüchen trotz Wechsel von MNS auf FFP2/KN95 Übertragungen stattfinden, z. B. wegen nicht korrektem Tragen, hohen Leckagen durch fehlende Gesichtsanpassung, fehlerhaftem Umgang mit der Maske beim An- und Ausziehen oder durch Verwendung von insuffizienter Importware ohne oder mit gefälschter CE-Kennzeichnung.
Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Auswirkungen rät die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) dringend dazu, die bayerische Empfehlung einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Vor einer Übernahme der bayerischen Verordnung durch andere Bundesländer rät die DGKH ab.
Mit den bisherigen, sich gegenseitig ergänzenden Maßnahmen wie Abstandsregel, Alltagsmaske, Hygienemaßnahmen und ausreichende Lüftung werden die Ziele des Infektionsschutzes bei korrekter und konsequenter Einhaltung in der Öffentlichkeit gewährleistet. Eine weitere Verbesserung des Infektionsschutzes könnte durchaus erzielt werden, wenn ausreichend medizinische Mund-Nasenschutz-Masken vorhanden wären, ohne dass es zu Engpässen in Kliniken und Pflegeheimen käme. Der medizinischen MNS hat im Gegensatz zu Alltagsmasken definierte Filtereigenschaften und ist im Vergleich zu FFP-2 Masken kostengünstig und kann auch länger getragen werden.
Die jetzige Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken in Bayern verunsichert die Bevölkerung im Hinblick auf die Sinnhaftigkeit der bisherigen AHA+L-Regel.
Wenn eine Optimierung des Infektionsschutzes durch Masken erforderlich ist, dann sollte die Bevölkerung stattdessen zum korrekten Tragen, Prüfung auf Dichtsitz und Vermeidung von Leckagen der bisherigen Mund-Nasenbedeckungen motiviert werden. Hier sind dringend eine verbesserte Kommunikation und Schulung nötig.

Wir verweisen hier auf unsere Broschüre „Corona-Knigge für Jung und Alt“, herunterladbar unter www.krankenhaushygiene.de/corona-knigge

Martin Exner und Peter Walger
für die DGKH und die GHUP
Pressekontakt
Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V. (DGKH)
Joachimsthaler Straße 10

 

* OD - Neue Richtlinien für Mund-Nasen-Masken in Belgien - https://ostbelgiendirekt.be/neue-richtlinienfuer-masken-275227
** ZDF - EU-Behörde zweifelt am Nutzen von FFP2-Masken - https://www.zdf. de/nachrichten/panorama/corona-ffp2-masken-zweifel-100.html

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