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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 134

17. Februar 2021 – Frage von Diana Stiel an Herrn Minister Antoniadis zur Verabreichung des Medikaments Colchicin in der „COLCORNA-Studie“ an der Universität von Montréal

Sind Ihnen dieses Medikament und diese Studie bekannt?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Diana Stiel (Vivant), vom 2. Februar 2021:

Der Fernsehsender RTBF berichtete am vergangenen 24. Januar von einer randomisierten Studie, die unlängst an der Universität von Montréal unter der Leitung von Dr. Jean-Claude Tardif, Kardiologe, Direktor des Forschungszentrums des Montreal Heart Institute und Professor für klinische Medizin an der Université de Montréal, durchgeführt wurde.* **
Unter der Bezeichnung "COLCORONA-Studie" wurde das bereits seit langer Zeit existierende Medikament Colchicin an rund 4500 Patienten mit einer PCR-bestätigten SARS-Cov-2-Infektion aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Europa, Südamerika und Südafrika verabreicht. Bei Colchicin handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Herbstzeitlose. Das Mittel wird bereits seit vielen Jahren bei Gicht oder anderen Krankheiten erfolgreich eingesetzt.***
Die Studienteilnehmer wiesen alle mindestens einen Risikofaktor auf, der bei einer Corona-Infektion zu Komplikationen führen kann, wie beispielsweise ein Alter von über 70 Jahren, Diabetes oder die Lungenkrankheit COPD.****
Laut Dr. Tardif verhindert dieses Mittel heftige Entzündungen im Körper, welche zu einem schwerwiegenden Verlauf der Krankheit führen können. Die Verabreichung von Colchicin in der COLCORONA-Studie hat dessen Wirkung auf beeindruckende Weise bestätigt: die Klinikeinweisungen wurden zu 25 % verhindert, die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung zu 50% reduziert, und es gab 44% weniger Todesfälle.*****
Der belgische Altersmediziner am CHR Hainaut-Mons, Dr. Pierre Lemaire, hatte sich das Medikament im Frühjahr 2020 selbst verordnet, nachdem er sich mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Innerhalb 48 Stunden hatte sich seine erhöhte Körpertemperatur bereits normalisiert und seine Sauerstoffsättigung war weniger kritisch. Er sei somit um Haaresbreite an eine Aufnahme auf die Intensivstation vorbeigekommen.******
Es handelt sich hier um ein Medikament, welches nach ärztlicher Verordnung bereits zu Beginn der Erkrankung Zuhause eingenommen werden kann und bei sachgemäßer Dosierung kaum Nebenwirkungen hat. Es ist mittels ärztlicher Verschreibung in der Apotheke erhältlich und relativ kostengünstig.*******

Laut RTBF prüft das Kollegium der belgischen Allgemeinmediziner derzeit die Studie, ohne
jedoch bereits jetzt zu der Verwendung dieses Arzneimittels Stellung zu beziehen, da es
bei gewissen Patienten auch Gegenanzeigen geben kann. ********
In Ihrer Funktion als Gesundheitsminister der DG, welcher für die Prävention zuständig
ist, lauten unsere Fragen an Sie wie folgt :
1. Sind Ihnen dieses Medikament und diese Studie bekannt?
2. Wie stehen Sie zu diesem Mittel, im Hinblick auf dessen vorbeugende Wirkung in Bezug
auf Krankenhauseinweisungen und schwerwiegende Verläufe einer Covid-19
Erkrankung?
3. Sind die namhaften Virologen der Risk Assessment Group, welche die Föderale
Regierung beraten, über diese Studie im Bilde?
4. Ist dieses Arzneimittel in Belgien zur Behandlung von Covid-19 vermehrt im Einsatz?
Oder handelt es sich nur um Einzelfälle, wie oben beschrieben?

Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

Zuerst einmal danke ich Ihnen für die Zustellung der besagten Studie. Ich werde diese an
die Risk Management Group (RMG) weiterleiten.
Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat keinen Einfluss auf die Zulassung und/oder
Verschreibung eines Medikamentes. Die Zuständigkeit liegt beim Föderalstaat. Die
zuständigen föderalen Behörden sind die AFMPS und das LIKIV.

 


* RTBF: Info sur étude COLCORONA - https://www.rtbf.be/info/societe/detail_moins-d-hospitalisations-etmoins-de-deces-la-colchicine-reduit-les-risques-de-complications-du-covid-19-montre-une-etude?id=10681382 
** WIKIPEDIA - https://en.wikipedia.org/wiki/Jean-Claude_Tardif 
*** KARDIOLOGIE.ORG: Covid-19 _ Durchbruch in der COVID-19-Therapie_ Colchicin kann angeblich 
Komplikationen verhindern - https://www.kardiologie.org/covid-19/durchbruch-in-der-covid-19-therapie-- 
colchicin-kann-angeblich-ko/18796742 
**** KARDIOLOGIE.ORG: Covid-19 _ Durchbruch in der COVID-19-Therapie_ Colchicin kann angeblich 
Komplikationen verhindern - https://www.kardiologie.org/covid-19/durchbruch-in-der-covid-19-therapie-- 
colchicin-kann-angeblich-ko/18796742 
***** WIKIPEDIA - https://en.wikipedia.org/wiki/Jean-Claude_Tardif 
****** RTBF: Info sur étude COLCORONA - https://www.rtbf.be/info/societe/detail_moins-d-hospitalisations-etmoins-de-deces-la-colchicine-reduit-les-risques-de-complications-du-covid-19-montre-une-etude?id=10681382 
******* RTBF: Info sur étude COLCORONA - https://www.rtbf.be/info/societe/detail_moins-d-hospitalisations-etmoins-de-deces-la-colchicine-reduit-les-risques-de-complications-du-covid-19-montre-une-etude?id=10681382  
******** RTBF: Info sur étude COLCORONA - https://www.rtbf.be/info/societe/detail_moins-d-hospitalisationsetmoins-
de-deces-la-colchicine-reduit-les-risques-de-complications-du-covid-19-montre-uneetude?
id=10681382

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