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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 125

23. Februar 2021 – Frage von Diana Stiel an Herrn Minister Antoniadis zum Raerener Marienheim

Wie viele der positiv Getesteten waren tatsächlich auch Infiziert, bzw. zeigten Symptome? Wie viele davon waren Bewohner und wie viele gehörten dem Personal an?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Diana Stiel (Vivant), vom 19. Januar 2021:

Im Marienheim in Raeren scheint die Situation nach dem jüngsten Corona-Ausbruch inzwischen unter Kontrolle.
Laut GrenzEcho Artikel vom 14.01.2021* waren die vergangenen Wochen eine Zerreißprobe für Mitarbeiter und Bewohner des Heims, denn Mitte Dezember war in der Senioreneinrichtung trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen das Coronavirus ausgebrochen. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich 71 Bewohner und 35 Mitarbeiter infiziert.
Unglücklicherweise sind auch Bewohner verstorben. Nämlich, und ich zitiere wörtlich das GrenzEcho: "Im Dezember und Januar sind fünf Bewohner MIT und zwei weitere AN einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben“
Um eine weitere Ausbreitung einzudämmen, hatte die Heimleitung schnell reagiert und in Absprache mit der DG unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen getroffen. Positiv Getestete wurden von den anderen Bewohnern getrennt und das Pflegepersonal hatte Teams gebildet, wovon eines ausschließlich im abgetrennten Wohnbereich eingesetzt wurde. Auf diese Weise sei es gelungen, eine weitere Verbreitung aufzuhalten.
Da inzwischen aber alle übrigen Bewohner, die sich infiziert hatten, wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurden und die Zahl der neuen positiven Tests stark rückläufig ist, ist der Heimleiter Patrick Laschet nun vorsichtig optimistisch. Am 3. Februar soll nun definitiv mit dem Impfen von Bewohnern und Personal des Alten- und Pflegeheims begonnen werden.
Von insgesamt 144 Bewohnern haben sich nur drei gegen eine Impfung entschieden. Unter den Mitarbeitern ist die Impfbereitschaft ebenfalls hoch, allerdings erst seit kurzem. Offenbar hat der jüngste Corona-Ausbruch ein Umdenken ausgelöst. Während zuvor gerade einmal 30 Prozent der insgesamt 160 Mitarbeiter einer Impfung zugestimmt hatten, sind es inzwischen knapp 84 Prozent.
Sobald Bewohner und Personal geimpft sind, sollen die Senioren, die ihre Liebsten seit Wochen nicht gesehen haben, auch wieder Besuch empfangen dürfen.

Hierzu lauten meine Fragen:
1. Wie viele der positiv Getesteten waren tatsächlich auch Infiziert, bzw. zeigten Symptome? Wie viele davon waren Bewohner und wie viele gehörten dem Personal an?
2. Wie viele der Infizierten mussten ins Krankenhaus zur weiteren Behandlung eingeliefert werden? Wie viele davon waren Bewohner und wie viele gehörten dem Personal an?
3. Welches Alter hatten die Verstorbenen?
4. Was genau bedeutet die deutlich gemachte Unterscheidung, dass verschiedene Bewohner an, einige aber mit dem Virus verstorben sind? Kennt man bei den 5 verstorbenen Bewohnern mit Corona die wahre Todesursache? Werden Todesursachen in der DG genauer überprüft? Welche Todesursache ist bei den Verstorbenen auf dem Totenschein eingesetzt worden?
5. Auf welchen Grund führen Sie zurück, dass das Virus trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen ausgebrochen ist? Oder denken Sie, dass auch die allerhöchsten Maßnahmen im Endeffekt nicht in der Lage sind ein Virus aufzuhalten?
6. Herrschte während dieser kritischen Phase ein Personalmangel im Marienheim?
7. Gab es Mitarbeiter, die zwar positiv getestet, aber asymptomatisch zu Hause bleiben wollten?
8. Haben in dieser Zeit auch positiv getestete Pfleger und Mitarbeiter aufgrund der kritischen Situation weiterarbeiten müssen?
9. Wie viele Pfleger sind insgesamt im Marienheim angestellt? Wie viele davon stimmen einer Impfung zu?
10. Konnten alle Bewohner der Impfung selbst zustimmen, oder gab es Fälle, wo dies der gesetzliche Vormund übernommen hat?
11. Wie wird mit den Bewohnern und Angestellten umgegangen, die eine Impfung ablehnen? Dürfen diese 3 Bewohner ebenfalls Besuch empfangen? Haben Mitarbeiter mit Repressalien zu rechnen?
12. Wurden diese 3 Bewohner auf Anraten eines Arztes nicht geimpft oder auf eigenem Wunsch ?
13. Worauf führen Sie die niedrige Sterberate zurück?
14. Wie ist das aktuelle Arbeitsklima einzuschätzen, da Bewohner und Mitarbeiter ja nicht nur durch die Angst vor Corona, sondern gleichzeitig durch die ständigen Umzüge in Covid und Nicht-Covid Trakte belastet wurden?
15. Gibt es Bewohner, die aufgrund der langen Trennung von Familie und manchmal sogar aufgrund der Trennung vom Lebenspartner im selben Haus, depressive Anzeichen zeigen?

Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

Viele der gelieferten Informationen mussten bei der Einrichtung selbst angefragt werden. Der Träger des Marienheims ist eine privatrechtliche Vereinigung. Vor allem konkrete Angaben zum Personal mussten seitens des Arbeitgebers beantwortet werden.

1. Wie viele der positiv Getesteten waren tatsächlich auch Infiziert, bzw. zeigten Symptome? Wie viele davon waren Bewohner und wie viele gehörten dem Personal an?
Insgesamt haben sich über den Zeitraum vom Ausbruch des Clusters am 15.12.2020 bis zur Eindämmung am 20.01.2021, 77 Bewohner und 39 Personalmitglieder mit dem COVID-19-Virus infiziert.

2. Wie viele der Infizierten mussten ins Krankenhaus zur weiteren Behandlung eingeliefert werden? Wie viele davon waren Bewohner und wie viele gehörten dem Personal an?
Drei Bewohner wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei von ihnen verstarben im Krankenhaus.

3. Welches Alter hatten die Verstorbenen?
Insgesamt sind acht Bewohner verstorben. Die Verstorbenen waren älter als 67 Jahre alt. Die Regierung wird aus Datenschutzgründen keine genauen Angaben zum Alter machen.

4. Was genau bedeutet die deutlich gemachte Unterscheidung, dass verschiedene Bewohner an, einige aber mit dem Virus verstorben sind? Kennt man bei den 5 verstorbenen Bewohnern mit Corona die wahre Todesursache? Werden Todesursachen in der DG genauer überprüft? Welche Todesursache ist bei den Verstorbenen auf dem Totenschein eingesetzt worden?
Die Verstorbenen hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. Welche anderen Erkrankungen zum Zeitpunkt der Infektion bestanden, wird vom Ministerium der DG nicht erfasst und unterliegt dem Anrecht auf Privatsphäre der verstorbenen Person und deren Angehörigen.
Die Regierung kann Aussagen, die von Dritten gemacht wurden, nicht überprüfen.

5. Auf welchen Grund führen Sie zurück, dass das Virus trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen ausgebrochen ist? Oder denken Sie, dass auch die allerhöchsten Maßnahmen im Endeffekt nicht in der Lage sind ein Virus aufzuhalten?
In der Einrichtung wurde das Restaurant betrieben. In diesem Bereich hielten sich Bewohner aus mehreren Wohnbereichen auf. Dadurch ist die Rückverfolgung der Infektionskette schwierig.
Die föderalen Richtlinien des wissenschaftlichen Institutes Sciensano sowie die im Konsens getroffenen Maßnahmen der WPZS mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft geben ein Rahmenkonzept zum größtmöglichen Infektionsschutz in den Einrichtungen. Jedoch gibt es auch bei bestmöglicher Einhaltung aller Schutzmaßnahmen sowohl bei Bewohnern als auch beim Pflegepersonal keinen hundertprozentigen Schutz.
Ein unaufmerksamer Moment reicht aus, um das Virus zu verbreiten.
Es ist aber der konsequenten Einhaltung dieser Maßnahmen zu verdanken, dass das Virus sich nicht weiter ausgebreitet hat und schnell eingedämmt werden konnte.
Trotz Kontakten mit Personen außerhalb der Einrichtung und dank der Schutzmaßnahmen in den WPZS, blieb die Zahl der Infektionen gering.

6. Herrschte während dieser kritischen Phase ein Personalmangel im Marienheim?
Nein, das Marienheim hat sogar in der kritischen Phase die Schichten verlängert und personaltechnisch aufgestockt.

7. Gab es Mitarbeiter, die zwar positiv getestet, aber asymptomatisch zu Hause bleiben wollten?
Nein. Es gab 4 Personalmitglieder mit positivem Testergebnis, die aufgrund ihrer Symptome zu Hause geblieben sind.

8. Haben in dieser Zeit auch positiv getestete Pfleger und Mitarbeiter aufgrund der kritischen Situation weiterarbeiten müssen?
Das Personal wurde nie und in keiner Weise gezwungen, bei einem positiven Testergebnis weiterzuarbeiten. 22 Personalmitglieder, die leichte Symptome aufwiesen, haben sich freiwillig dazu bereit erklärt, auf der Covid-Station zu arbeiten und ihre Kollegen zu unterstützen.

9. Wie viele Pfleger sind insgesamt im Marienheim angestellt? Wie viele davon stimmen einer Impfung zu?
Das WPZS Marienheim beschäftigt 153 Personalmitglieder. Anfang des Monates haben sich 93 Personen für eine Impfung ausgesprochen, das entspricht einer Rate von 60,78%.

10. Konnten alle Bewohner der Impfung selbst zustimmen, oder gab es Fälle, wo dies der gesetzliche Vormund übernommen hat?
Sowohl die Bewohner als auch das Personal der WPZS wurden umfassend vonseiten des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der Heimleitung sowie des
Koordinationsarztes und des persönlichen Hausarztes über den Impfstoff, die Risiken und Nebenwirkungen und den Ablauf der Impfung informiert und aufgeklärt.
Das WPZS Marienheim hat den Bewohnern Beratungsmöglichkeiten durch den Hausarzt und durch die Familie angeboten, die auch wahrgenommen wurden.
Die Unterschrift des Seniors als selbstbestimmter Bewohner einer Einrichtung ist ausschlaggebend für die Zusage zur Impfung.

11. Wie wird mit den Bewohnern und Angestellten umgegangen, die eine Impfung ablehnen? Dürfen diese 3 Bewohner ebenfalls Besuch empfangen? Haben Mitarbeiter mit Repressalien zu rechnen?
Die Impfung ist für jeden Bewohner und für jedes Personalmitglied freiwillig. Niemand braucht Repressalien in irgendwelcher Form auch immer zu fürchten.
Auch in der Zukunft werden Bewohner und Mitarbeiter, die die Impfung verweigern haben, an allen Aktivitäten, die im Marienheim stattfinden, unter den gleichen Bedingungen teilnehmen.

12. Wurden diese 3 Bewohner auf Anraten eines Arztes nicht geimpft oder auf eigenem Wunsch?
Die Impfzusage des Bewohners setzt eine ärztliche Bescheinigung voraus. Sollte eine Impfung kontraindiziert sein, wird der Arzt von einer Impfung abraten. Angesichts der sehr hohen Impfbereitschaft bei den Bewohnern in allen WPZS der Deutschsprachigen Gemeinschaft, ist davon auszugehen, dass nur in seltenen Fällen von einer Impfung auf ärztliches Anraten abgesehen wird. Darüber hinaus unterliegt dieser Aspekt der ärztlichen Schweigepflicht.
Die Impfung ist freiwillig, somit hat auch jeder Bewohner das Recht, sich gegen die Impfung auszusprechen.

13. Worauf führen Sie die niedrige Sterberate zurück?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da zahlreiche unterschiedliche Faktoren wie beispielsweise Vorerkrankungen, der gesundheitliche Allgemeinzustand und die Intensität der Virenbelastungen zu berücksichtigen sind.
Sicherlich hat das gute Pflegemanagement inklusive der Einhaltung der Schutzmaßnahmen der Einrichtung einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Infektionsrate besser in den Griff zu bekommen. Darüber hinaus konnte das Marienheim vom medizinischen Fortschritt in der Erkrankung sowie von den Erfahrungen anderer WPZS, die bereits ein Cluster in ihrer Einrichtung bewältigt haben, profitieren.

14. Wie ist das aktuelle Arbeitsklima einzuschätzen, da Bewohner und Mitarbeiter ja nicht nur durch die Angst vor Corona, sondern gleichzeitig durch die ständigen Umzüge in Covid und Nicht-Covid Trakte belastet wurden?
Nach dem Bekanntwerden der Infektion und der Beratung durch die von der DG zur Verfügung gestellten Hygieneexpertin war klar, dass die Isolierstation mit 5 Zimmern nicht ausreicht und dass es aus fachlicher Sicht keine Alternative zu einer Gruppierung nach Infektionslage geben konnte. Bewohner wurden durch das vertraute Pflegepersonal und die Familien durch die Verwaltung informiert. Die Umzüge waren eine logistische Herausforderung und gleichzeitig für Bewohner und Personal eine psychische Belastung. Erfreulich war zu sehen, wie viele Mitarbeiter bereit waren, auf bereits geplante freie Tage oder Feiertage etc. zu verzichten, um den Bewohnern eine gute Begleitung zu garantieren
und die Kollegen zu unterstützen. Das gleiche Kompliment gilt den Hausärzten, die ständig präsent und rund um die Uhr erreichbar waren.
Nach der großen Arbeitsbelastung ist das Personal jetzt müde und zeitgleich stolz, dass viele Bewohner die Krankheit gut überstanden haben. Ein wichtiger Faktor war, dass Angehörige bei medizinischer Indikation zu Besuch kommen konnten. Das hat das Vertrauensverhältnis zwischen den Bewohnern bzw. der Familie und dem Marienheim weiter gestärkt.

15. Gibt es Bewohner, die aufgrund der langen Trennung von Familie und manchmal sogar aufgrund der Trennung vom Lebenspartner im selben Haus, depressive Anzeichen zeigen?
Alle von der Deutschsprachigen Gemeinschaft bezuschussten Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, deren Personal bzw. Bewohner und Angehörigen in der Corona-Krise einer hohen psychosozialen Belastung ausgesetzt waren und sind, haben die Möglichkeit, einen Projektantrag zur psychosozialen Begleitung einzureichen. Hier stellt die Deutschsprachige Gemeinschaft eine niederschwellige Soforthilfe zur Abfederung der Folgen der Corona-Krise bereit.
Natürlich sind die aktuell geltenden Maßnahmen für alle Menschen schwierig. Wenn man in einem Wohn- und Pflegezentrum lebt, so gibt es sicherlich viele Dinge, die positiv und andere wiederum, die weniger positiv zu bewerten sind.
So kann man positiv hervorheben, dass die Bewohner in einem Wohnbereich sehr viele Kontakte untereinander haben. Das Personal ist sehr bemüht, Aktivitäten zu organisieren und Präsenz zu zeigen.
Weniger positiv ist natürlich in einigen Fällen der angepasste Kontakt zu den Angehörigen.
Die Impfung ist jedenfalls der Schlüssel zum Ausgang aus dieser Situation. Mit den Wohn- und Pflegezentren werden aktuell Lockerungen vereinbart, um wieder mehr Kontakte ermöglichen zu können.

 

* GE - Kaum Neuinfektionen nach Corona Ausbruch im Raerener Marienheim - https://www.grenzecho.
net/48547/artikel/2021-01-14/kaum-neuinfektionen-nach-corona-ausbruch-im-raerener-marienheim

 

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