Druck Kopfbild

Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 503

14. Januar 2021 – Frage von A. Jerusalem an Ministerin KLINKENBERG zu den Lüftungssystemen der PPP-Gebäude

Erledigen die Lüftungsanlagen in den PPP-Gebäuden mittlerweile zuverlässig ihre Arbeit?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Andreas Jerusalem (Ecolo):

Die Deutschsprachige Gemeinschaft hat in den letzten anderthalb Jahrzehnten viel Geld in Schulbauten investiert. Das war wichtig, bilden diese doch eine wesentliche Grundlage für hochwertigen Unterricht. 
Die größten Bauprojekte wurden im Rahmen des PPP-1-Projektes umgesetzt. Mindestens bei einigen Schulbauten wurde auf eine Passiv- oder Niedrigenergiebauweise gesetzt. In diesem Bereich mussten einige Erfahrungen gesammelt werden. Die Temperaturen in den Gebäuden entsprachen nicht immer dem, was man sich erhofft hatte. Das liegt unter anderem an den Lüftungssystemen, die eine wichtige Rolle in diesen Gebäuden spielen. Diese haben verschiedene Aufgaben: Sie kühlen und wärmen die Luft, wälzen sie um und filtern sie.
Besonders die letzte Aufgabe könnte sich in der Corona-Phase als Trumpf erweisen, filtern die Systeme in der Regel ja sogar Viren und Bakterien aus der Luft. 
Voraussetzung dafür ist aber ein einwandfreies Funktionieren dieser Lüftungsanlagen. In der Vergangenheit präsentierten diese sich aber häufig stör- und fehleranfällig, wodurch es mitunter im Sommer zu warm und im Winter zu kalt war. Das scheint vor allem für die ersten PPP-Gebäude zu gelten, deren “Kinderkrankheiten” aber hoffentlich mittlerweile behoben sind.

Daher habe ich folgende Fragen an Sie, Frau Ministerin: 

­ Erledigen die Lüftungsanlagen in den PPP-Gebäuden mittlerweile zuverlässig ihre Arbeit?
­ Sind die Lüftungsanlagen in den PPP-Gebäuden der DG in der Lage die Aerosole des Corona-Virus aus der Luft zu filtern?
­ Wer ist dafür verantwortlich, dass die Lüftungen in den PPP-Gebäuden aktuell und auch zukünftig zuverlässig arbeiten?


Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

über strukturelle Ausfälle der Lüftungsanlagen in den PPP-1-Schulbauten liegen uns keine Informationen vor. Natürlich kann bei jeder technischen Anlage mal eine Störung auftreten. Die Behebungszeiten bei Störungen sind vertraglich definiert, dabei kann die Lieferung von benötigten Ersatzteilen auch Einfluss auf die Behebungszeit nehmen. Die regelmäßige Inspektion und Wartung tragen dazu bei, das Funktionieren der eingebauten Komfortlüftungsanlagen zu gewährleisten. 

Gerne nutze ich an dieser Stelle die Gelegenheit, um Ihnen noch ein paar weitere Informationen zu diesen Lüftungsanlagen zu geben:

Die Lüftungsanlagen sollen weder wärmen noch kühlen, sie filtern auch nicht die Luft, sondern tauschen diese aus. Dieser Unterschied ist gerade in Coronazeiten sehr wichtig, da die verbrauchte Luft ohne Umwege direkt nach draußen befördert und Frischluft eingebracht wird. Durch dieses sogenannte „Zweikanalsystem“, wo Zu- und Abluft getrennt sind, muss die Luft nicht gefiltert werden, da sich die einzelnen Strömungen nicht kreuzen. Ein Filter wäre bei Umluftanlagen sowie Klimaanlagen wichtig, diese sind jedoch nicht verbaut worden. 

Darüber hinaus sind die PPP-Lüftungsanlagen mit standardisierten Feinpartikelfiltern von 1-10μm (Mikrometer) ausgestattet, die dafür sorgen, dass die 100% Frischluft, die eingeblasen wird, sauberer ist als die Außenluft auf dem Schulhof. 

Im PPP-1-Schulbauprogramm wurden in ALLEN Schulen Lüftungsanlagen verbaut, nicht nur in einigen und dies unabhängig vom Passivhaus- oder Niedrigenergiestandard. Hintergrund dafür war das Bemühen, die CO2-Konzentration konstant auf einem geringen Wert zu halten, um dem Leistungs- und Aufmerksamkeitsnachlass der Schüler durch verbrauchte Luft entgegenzuwirken. Das Herabsetzen der CO2-Belastung reduziert gleichzeitig die Aerosollast in der Innenluft. Eine CO2-sensorgesteuerte Lüftungsanlage kontrolliert also ständig die CO2-Konzentration.

Die technische Verantwortung für den zuverlässigen Betrieb der PPP-Lüftungsanlagen liegt in der Hand des privaten PPP-Partners, der „PPP-Schulen Eupen SA“. 

Die in der Frage angesprochene „häufige Stör- und Fehleranfälligkeit“ bezieht sich auf zu trockene Luft im Winter und zu warme Luft im Sommer. Das spielt im Zusammenhang mit Aerosolen jedoch eine untergeordnete Rolle, betrifft aber das Komfortgefühl im Klassenraum und bedarf nach wie vor unserer Aufmerksamkeit. 

Ich möchte darauf hinweisen, dass in allen Räumen ausreichend Fenster zur Verfügung stehen und diese auch zum Lüften genutzt werden sollten und müssen. Über den tatsächlichen Nutzen einer Lüftungsanlage zum Abtransport von Aerosolen gibt es zwar nachvollziehbare Grundlagen, eine wissenschaftliche Erkenntnis über die Wirksamkeit liegt jedoch nicht vor. Man kann also davon ausgehen, dass die verbauten Anlagen eine Unterstützung darstellen, jedoch das regelmäßige Lüften durch Fensteröffnung nicht ersetzen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Zurück Drucken Teilen