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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 505

14. Januar 2021 – Frage von C. Servaty an Ministerin KLINKENBERG zur Auswirkung des Brexits auf internationale Austauschmöglichkeiten für Schüler und Studenten mit dem Vereinigten Königreich

Wie viele Schüler aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft nutzten in den vergangenen Jahren die Möglichkeit eines Auslandaufenthalts im Vereinigten Königreich?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von C. Servaty (SP):

Nach jahrelangen Gesprächen konnte schließlich Ende Dezember doch noch eine Einigkeit bei den Brexit-Verhandlungen erzielt werden. Dies ist zunächst eine erfreuliche Nachricht. Damit konnte das befürchtete Szenario des No-Deal - Brexit verhindert werden.
Dennoch wirft dieses Abkommen verschiedene Fragen auf. So werden durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union die Beziehungen nicht nur zwischen Staaten, sondern auch zwischen Einrichtungen beiderseits des Ärmelkanals beeinflusst.
So berichtete die Zeitung LE MONDE am 29. Dezember 20 von einer „Polemik“ rund um das Ende des Erasmusabkommens für das Vereinigte Königreich. Die Folgen werden jedoch auch für Europäer spürbar sein – nicht zuletzt für all diejenigen, die ihr Englischniveau im Rahmen eines Auslandaufenthalts aufbessern wollen. Auch sollten wir neben dem Erasmus-Programm nicht das Erasmus+-Programm vergessen.
Als SP-Fraktion wissen wir um die Bedeutung von Sprachkenntnissen einerseits. Andererseits erfüllen die internationalen Schüler- und Studentenaustauschphasen auch eine wichtige pädagogische und menschliche Funktion. Daher hoffen wir, dass das Vertiefen der Englischkenntnisse durch einen Auslandsaufenthalt auch in Zukunft weiterhin für alle Ostbelgier möglich sein wird. Auch darf diese Möglichkeit nicht vom Vorhandensein größerer finanzieller Mittel abhängen. 
Die Beliebtheit dieser internationalen Semester wird denn auch in einem Artikel der Zeitung LE SOIR vom 6. Januar 21 deutlich. Demnach überqueren jährlich mehr als 200 Studenten der Französischsprachigen Gemeinschaft den Ärmelkanal, davon rund 100 im Rahmen eines Erasmusprogramms. Wenngleich alle bis Juni geplanten Erasmus-Aufenthalte vom Brexit kaum beeinflusst sind, müssen wir bereits jetzt an die Zeit danach denken.

Hierzu lauten meine Fragen: 
­ Wie viele Schüler aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft nutzten in den vergangenen Jahren die Möglichkeit eines Auslandaufenthalts im Vereinigten Königreich?
­ Unter welchen Bedingungen bieten andere Programme die Möglichkeit eines Auslandaufenthalts?
­ Wie kann auch über Juni 2021 hinaus gewährleistet werden, dass Schüler und Studenten ihre Englischkenntnisse durch einen für sie möglichst kostenneutralen Auslandsaufenthalt aufbessern können?


Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Erasmus+ wird in Ostbelgien vom Jugendbüro koordiniert. Erasmus+ beinhaltet Mobilitäts- und Kooperationsprojekte in allen Bildungsbereichen, u.a. in der schulischen, in der beruflichen und in der Hochschulbildung.

Zur Anzahl Projekte im Rahmen von Erasmus+ im Zeitraum 2014-2020 machte das Jugendbüro auf Nachfrage folgende Angaben: 

In der schulischen Bildung haben 28 Schüler und 13 Personalmitglieder des 
Unterrichtswesens an Mobilitäten ins Vereinigte Königreich teilgenommen.
In der beruflichen Bildung gab es 27 Mobilitäten (24 RSI+3 ZAWM) 
In der Hochschulbildung hat eine Mobilität von einem Studierenden der Autonomen Hochschule stattgefunden.

Aufgrund der geringen Inanspruchnahme von Mobilitäten nach Großbritannien hat der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU für die Mobilität der ostbelgischen Schüler, Auszubildenden und AHS Studenten nur geringe Auswirkungen. Die ostbelgischen Studenten, die traditionell im Rahmen ihres Studiums an einer Hochschule oder Universität im In- oder Ausland nach Großbritannien reisen, sind 
hingegen vom Austritt Großbritanniens aus der EU und aus den EU-Programmen betroffen. Es bleibt abzuwarten, welche alternativen Kooperationen diese Hochschuleinrichtungen ggf. eingehen werden und welche Angebote sie ihren Studierenden unterbreiten werden.

Ostbelgische Lernende und die Personalmitglieder des Unterrichtswesens können ihre Englischkenntnisse weiterhin über Erasmus+ verbessern, entweder in dem sie nach Irland reisen oder indem sie Englisch als Arbeitssprache in Projekten mit anderen europäischen Projektpartnern nutzen. Die Möglichkeiten für Jugendliche reichen von Einzelmobilitäten über strategische Partnerschaften und Jugendaustausch-Maßnahmen 
bis hin zu Freiwilligenprojekten. Der Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus den EU Programmen betrifft nicht die Projekte, die bereits in der Förderperiode 2014-2020 begonnen wurden. Diese Projekte laufen weiter und werden über die gesamte Projektlaufzeit durch die EU finanziert.Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass das Eurodesk-Netzwerk, das seit dem 1. Januar 2021 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft vom Jugendbüro koordiniert wird, mit Koordinierungsstellen in 36 Ländern Informationen zu nationalen und europäischen Förderprogrammen bereitstellt. 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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