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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 11

12. September 2019 – Frage von C. Kraft an Minister Mollers bezüglich Hausaufgaben und Rahmenplänen

Welche konkreten Maßnahmen wird die Regierung im Schuljahr 2019/2020 umsetzen, um den Ursachen einer „Nachhilfe-Industrie“ entgegenzuwirken?

 
Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht.
 
Frage von Colin Kraft (CSP):
 
Rahmenpläne dienen dem Lehrkörper als Orientierungshilfe und sollen dem DG-Bildungsbereich die Grundlage für Qualitätssicherung und -steigerung bringen. Allerdings hat die CSP-Fraktion in den letzten Legislaturperioden schon mehrmals darauf hingewiesen, dass große Teile der Rahmenpläne inhaltlich überladen und dass Familien damit nicht selten überfordert sind.  
Überladene Rahmenpläne führen nicht selten dazu, dass durch den Lehrkörper zu viele Hausaufgaben erteilt werden.  Mehr Nachfrage nach Betreuung und Nachhilfe, damit Schüler nicht auf der Strecke bleiben, sind die Folge.
In einem BRF-Interview vom 06. Juni 2019 sagt der zuständige Minister, dass die Gründe für die verstärkte Nachfrage nach Nachhilfe (besonders in den Fächern Französisch und Mathematik) darin liegen, « dass die Rahmenpläne viel zu voll sind.
Eine Studie soll dieses Thema näher untersuchen, heißt es in dem Bericht.
 
Hierzu dann meine Fragen:
- Auf welcher Untersuchung beruht Ihre Aussage, dass die Rahmenpläne zu voll seien?
- Wann präsentiert die Regierung die Ergebnisse der genannten Studie?
- Welche konkreten Maßnahmen wird die Regierung im Schuljahr 2019/2020 umsetzen, um den Ursachen einer „Nachhilfe-Industrie“ entgegenzuwirken? 
 
Antwort von Harald Mollers (ProDG), Minister für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrter Frau Vorsitzende,
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
tatsächlich habe ich den Umfang der Rahmenpläne als eine mögliche Ursache für die Nachfrage nach Nachhilfe genannt.
Ich habe aber auch gesagt, dass es sich dabei um eine Vermutung handelt, nachzuhören im kompletten BRF-Interview vom 5. Juni 2019.
Der Zusammenhang zwischen Nachhilfe und Umfang der Rahmenpläne ist also keinesfalls erwiesen, genauso wenig wie die These, dass es eine vermehrte Nachfrage nach Nachhilfe gibt.
Dass die Rahmenpläne sehr voll sind, ist hingegen mittlerweile bekannt.* 
Im Rahmen der Online-Umfrage zur Gesamtvision haben zurzeit alle ostbelgischen Lehrer die Möglichkeit, Rückmeldungen zu den Rahmenplänen zu geben. Und die ersten Rückmeldungen deuten klar in diese Richtung.
Beim besagten BRF-Interview ging es vorrangig ja nicht um die Rahmenpläne, sondern um eine Studie zur Nachhilfe-Praxis.
Um nämlich zu gesicherten Erkenntnissen über die Nachhilfepraxis in Ostbelgien zu gelangen, führt die Pädagogische Hochschule Bern zurzeit in Zusammenarbeit mit der AHS eine Untersuchung durch.
Ziel der Studie ist es herauszufinden, wie viel Nachhilfebedarf es in Ostbelgien tatsächlich gibt und welche Schüler, in welchem Ausmaß und aus welchen Gründen, bei wem Nachhilfe in Anspruch nehmen.
Federführend ist das Parlament der DG, das die Studie in Auftrag gegeben hat - allerdings mit der Unterstützung der Regierung.
Das Parlament wird als Initiator also von den Forschungseinrichtungen aus erster Hand über die Ergebnisse informiert, sobald sie vorliegen.
Und folglich obliegt es vorrangig dem Parlament und weniger der Regierung, die Öffentlichkeit über die Ergebnisse zu informieren.
In den kommenden Wochen findet der zweite Teil der Befragung statt.
Die Ergebnisse werden Anfang 2020 vorliegen.
Um fundierte Aussagen über die Ursachen für Nachhilfe und mögliche Gegenmaßnahmen treffen zu können, ist es sinnvoll, die Ergebnisse der Studie abzuwarten.
Denn zunächst muss eruiert werden, warum Nachhilfe in Anspruch genommen wird. Um geeignete Maßnahmen abzuleiten, ist es wichtig zu wissen, ob Schüler Nachhilfe benötigen, um Hausaufgaben zu erledigen, um Basiswissen aufzuarbeiten und zu festigen, um für Tests oder Prüfungen zu lernen oder um sich Lernstrategien zu erarbeiten.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
 
* Die Online-Umfrage zur Gesamtvision (Zwischenstand diese Woche) spricht eine deutliche Sprache. Über 63 % stimmen der Aussage, die Rahmenpläne seien zu voll, eher zu oder voll und ganz zu, während nur 24 % überhaupt nicht oder eher nicht zustimmen.
 
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