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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 502

14. Januar 2021 – Frage von A. Jerusalem an Ministerin KLINKENBERG zu den Talkrümeln und die Herausforderungen für die Kleinkindbetreuung

Welche weiteren Unterstützungen sind für die Tagesmütter in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf kurze Sich noch denkbar?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Andreas Jerusalem (Ecolo):

Am 4. Januar gab es in Kettenis eine erfreuliche Premiere: Das erste Co-Tagesmütter-Haus in Trägerschaft des RZKB hat eröffnet. Drei Tagesmütter werden an 5 Tagen in der Woche 14 Kinder betreuen, fördern, verpflegen, erziehen, frisch machen, sie schlafen legen und wecken, den Gang zum Klo üben, freies und geleitetes Spiel ermöglichen, mit ihnen kochen, wandern, toben - sie werden ihnen eine liebevolle Betreuung bieten, die einen bedeutenden Teil ihres noch so jungen Lebens ausmacht.

Wir haben an dieser Stelle schon so oft darüber gesprochen, wie wertvoll die Arbeit unserer Tagesmütter eigentlich für unsere Jüngsten, für ihre Eltern und für uns als Gesellschaft ist. 

In der DG gibt es zwei Arten von Tagesmüttern: 
- die konventionierten Tagesmütter. Sie sind in der Regel über das RZKB anerkannt - aber nicht angestellt. 
- die selbstständigen Tagesmütter.

Beim Abwägen welcher Weg für sie der richtige sei, fühlten sich die zukünftigen Tagesmütter der Talkrümel unterstützt und begleitet. Alle Akteure seien engagiert und bereit gewesen, Auskunft zu geben, Lösungen zu suchen und zu unterstützen. Doch wirklich geeignet schien keines der beiden Modelle. Ohne ihre einkommensstärkeren Partner hätten sie den Schritt deshalb nicht wagen können.
Am Ende der langen Suche nach dem optimalen Weg für ihr Herzensprojekt stehen Ernüchterung, eine Zusammenarbeit mit dem RZKB, in die die Damen nach wie vor große Hoffnung setzen, und - zum Glück - die nötige Entschlossenheit das Projekt in Angriff zu nehmen, trotz widriger Umstände.
Doch die Arbeit beginnen die Damen auch frustriert, weil die finanzielle Perspektive schlecht und Besserung nicht in Sicht ist. 
Die Talkrümel haben ein Haus in der Ketteniser Talstraße bezogen, das vom Besitzer angepasst und von den drei Tagesmüttern mit gut 3000 € Eigenkapital liebevoll eingerichtet wurde. Die Mietkosten übernimmt das RZKB, die Nebenkosten jedoch die Tagesmütter selbst. Ebenso die Kosten für die Verpflegung der Tageskinder, die Abgaben der sozialen Lasten, die Kosten für die Zusatzkrankenversicherung und die Rentenversicherung. So ist das nunmal bei konventionierten Tagesmüttern. Allein für die gut 1000 €, die die drei Damen jeweils in den Start des Projektes investiert haben, werden sie über 2 Monate arbeiten müssen - wenn es um den reinen Verdienst geht. Das grenzt an ein Ehrenamt.

Was sagt das über unsere Wertschätzung gegenüber der Kleinkindbetreuung aus? Über unsere Wertschätzung gegenüber den Tagesmüttern? Und in gewisser Weise sogar über unser Frauenbild.
Eine günstigere Kinderbetreuung als die von Tagesmüttern angebotene gibt es nicht, das liegt aber auch daran, dass viele Regelungen in diesem Sektor auf Kosten seiner Arbeitnehmerinnen gehen. 

Aus diesem Grunde habe ich folgende Fragen an Sie, Frau Ministerin:

­ Welche weiteren Unterstützungen sind für die Tagesmütter in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf kurze Sich noch denkbar?
­ Was können wir als DG tun, um die Rolle der konventionierten Tagesmütter aufzuwerten, ohne auf den Föderalstaat zu warten?
­ Wie sind die Rückmeldungen aus Flandern und der Wallonie zu deren Pilotprojekten zu einem möglichen Vollstatut für Tagesmütter?

Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, 
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, 

mittlerweile gibt es vier Arten von Tagesmüttern: neben den konventionierten und selbstständigen Tagesmüttern, gibt es nun auch die Co-selbstständigen und die Co-konventionierten Tagesmütter. Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat bereits verschiedene Maßnahmen zur Aufwertung der Tätigkeit als Tagesmutter beschlossen. Seit Anfang diesen Jahres gewährt die Regierung erstmalig einen strukturellen Zuschuss für private Kinderbetreuungsinitiativen wie die selbstständigen Tagesmütter, die selbstständigen Co-Tagesmütter und die Tagesmütterhäuser. Auch für das Regionalzentrum für Kleinkindbetreuung (RZKB), das im letzten Jahr durch die Regierung refinanziert wurde, hat die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu Beginn des Jahres eine zusätzliche Initiative ins Leben gerufen.

Seit dem 1. Januar 2021 existiert eine neue Konvention für Co-konventionierte Tagesmütter zwischen dem Träger (also dem RZKB) und der Regierung. Das Zentrum stellt den Tagesmüttern, die eine Co-Initiative gründen, geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen sie gemeinsam ihre Kinderbetreuungsdienste anbieten können. Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterstützt dieses neue Modell, indem sie dem Träger einen monatlichen Mietzuschuss gewährt. Seit Januar 2021 existiert in der Ketteniser Talstraße eine erste Initiative Co-konventionierter Tagesmütter: „Die Talkrümel“, bestehend aus drei Tagesmüttern, sind die erste Initiative dieser Art. Sie haben ihre Tätigkeit - wie ich bereits vernehmen durfte - mit großer Resonanz begonnen. Diese Initiative hat für die Tagesmütter den Vorteil, dass sie sich nicht um die administrative Abwicklung kümmern müssen, wie zum Beispiel die Anmeldung, die Vermittlung des Kindes, den Betreuungsvertrag, die Elternbeteiligung, die Steuerbescheinigung für die Eltern usw. Dies betrifft ebenfalls die Ausstattung der Räumlichkeiten (beispielsweise mit Betten, Spielmaterial, usw.), die vom RZKB gestellt wird. Auch kommen sie in den Genuss einer pädagogische Begleitung durch das RZKB.

Die Co-konventionierten Tagesmütter konnten nur an den Start gehen, weil die Regierung dem RZKB (im Rahmen einer Konvention) zugesagt hat, das Projekt mit 15.000 Euro pro Jahr – umgerechnet 1.250 Euro im Monat - zu bezuschussen. Mit diesen Mitteln finanziert bzw. trägt das RZKB die gesamten Mietkosten für die Immobilie. Die Tagesmütter erhalten außerdem dieselbe steuerbefreite Aufwandsentschädigung wie die anderen konventionierten Tagesmütter. Ich möchte Ihnen nicht verschweigen, dass bereits Gespräche mit weiteren Tagesmüttern laufen, die Interesse an diesem Modell bekundet haben.  Ich möchte außerdem daran erinnern, dass wir bereits rückwirkend zum 1. Januar 2020 die Weiterbildungsprämie für die konventionierten Tagesmütter erhöht und eine gewisse Anzahl von Kinderwagen mit vier Plätzen angeschafft haben, die den Tagesmüttern zur Verfügung gestellt werden. 

In der Flämischen Gemeinschaft wurde das Pilotprojekt zu einem möglichen Vollstatut bis zum 31. März 2023 verlängert, nicht zuletzt aufgrund der Pandemie. In der Französischen Gemeinschaft wird jede neue Tagesmutter als Arbeitnehmer eingestellt. Der Geschäftsführungsvertrag zwischen der ONE und der Regierung der französischsprachigen Gemeinschaft sieht als Ziel vor, dass bis Ende 2025 alle Tagesmütter im Vollstatut sind. Diskutiert wird noch inwiefern das Teilstatut dennoch weiterhin Bestand haben soll.Beide Gemeinschaften streben eine Evaluierung dieser Projekt durch den Föderalstaat an, was aufgrund der Verlängerung des Projektes in Flandern bis zum 31. März 2023 dauern kann.

Unabhängig der Projekte in den beiden anderen Gemeinschaften stelle ich aktuell grundlegende Überlegungen an, den Bereich der Kinderbetreuung neu zu strukturieren und auch unabhängig vom Föderalstaat Wege zu finden, um mittelfristig auch unseren Tagesmüttern ein Vollstatut zu ermöglichen. 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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