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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 507

14. Januar 2021 – Frage von C. Servaty an Ministerin KLINKENBERG zur Entwicklung der Abwesenheiten der Schüler

Nach welcher Methode werden die Abwesenheiten von Schülern auf dem Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft erhoben?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von C. Servaty (SP):

Im Dezember erhalten Schüler oft ihr erstes Zeugnis für das laufende Schuljahr. Dadurch bietet sich die Gelegenheit, eine erste allgemeinere Auswertung des Lernfortschritts vorzunehmen. Diese erste Evaluierung erscheint uns dieses Jahr besonders wichtig, nicht zuletzt um Lernrückstände gegebenenfalls frühzeitig zu erkennen.

In der Tat vermeldete die Zeitung LE SOIR erst Ende letzter Woche erschreckend hohe Zahlen  bei den Abwesenheitstagen von Schülern, insbesondere im Sekundarschulwesen. So seien die unentschuldigten Abwesenheitstage im Zeitraum vom 15.10.20 bis zum 15.11.20 um rund 40 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahrs gestiegen. Damit setzte sich der Trend fort, der sich bereits Mitte Oktober angedeutet hatte. Besonders bedenklich ist dabei, dass solch hohe Abwesenheitszahlen oftmals die Vorboten sich daraus entwickelnder Lernrückstände sind.

Auch macht der Artikel auf einen Unterschied in der Erhebung aufmerksam. Gewisse Schulen erheben demnach die An- bzw. Abwesenheiten auch beim Unterricht auf Distanz, wohingegen andere in diesen Fällen eine „Toleranz“ gelten lassen. Dies nicht zuletzt aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von Informatikmaterial in etlichen Haushalten.

Als SP-Fraktion möchten wir auf die Anwesenheitspflicht und die Schulpflicht bzw. Unterrichtspflicht aufmerksam machen. Zudem sorgen wir uns um die Gleichstellung aller Schüler. Wir hoffen, dass dieses Phänomen, das in der Französischsprachigen Gemeinschaft beobachtet wurde, bei uns nicht in diesem Maße vorhanden ist. Auch darf es nicht passieren, dass Schüler nicht am Unterricht teilhaben können, weil Informatikmaterial in ihrer Familie nicht ausreichend vorhanden ist.

Hierzu lauten meine Fragen: 

­ Nach welcher Methode werden die Abwesenheiten von Schülern auf dem Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft erhoben?
­ Konnte bei der Anzahl der Abwesenheiten von Schülern in der Deutschsprachigen Gemeinschaft in den letzten Monaten eine Entwicklung festgestellt werden?
­ Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?

Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

auch im Schuljahr 2020-2021 wird die Schulpflichtkontrolle wie gewohnt durchgeführt. Ungerechtfertigte Abwesenheiten müssen die Schulleitungen mittels eines entsprechenden Formulars der Schulpflichtkontrolle mitteilen. Rechtsgrundlagen bilden das Gesetz vom 29. Juni 1983 über die Schulpflicht sowie der Erlass der Regierung vom 10. Februar 2000 über den Schulbesuch. Befinden sich Schüler im Fernunterricht, gelten 
für sie diese Tage als gerechtfertigt abwesend. Die Schüler sind verpflichtet, die von der Schule vorgegebenen Pflichtaufgaben im Fernunterricht zu erledigen und einzureichen. Schüler, die sich in Quarantäne befinden und eine entsprechende Bescheinigung eines Arztes oder der Kontakt-Tracing-Zentrale vorlegen können, gelten als gerechtfertigt abwesend.

Die Schulpflichtkontrolle interveniert bei ungerechtfertigten Abwesenheiten, und wenn die Anzahl der Abwesenheiten eines Schülers, die vom Schulträger festgelegten und in der Schulvorschrift festgehaltene maximale Anzahl (zwischen 8 und 30 halben Tagen) Abwesenheiten, die von den Erziehungsberechtigten gerechtfertigt werden können, übersteigt. 
Die Abwesenheiten, die durch ein ärztliches Attest belegt sind, werden der Schulpflichtkontrolle nicht gemeldet.

Im Zeitraum von September 2020 bis zum heutigen Tag verzeichnet die Schulpflichtkontrolle insgesamt 36 Interventionen. In den vorherigen Schuljahren lag die Anzahl der Interventionen im gleichen Zeitraum bei 33 im Schuljahr 2017-2018, 42 im Schuljahr 2018-2019, und 48 im Schuljahr 2019-2020.

Dieser Vergleich lässt darauf schließen, dass das in der Französischen Gemeinschaft beobachtete Phänomen eines rasanten Anstiegs der ungerechtfertigten Abwesenheiten in den Sekundarschulen in den ersten Monaten des Schuljahres 2020-2021 sich in der Deutschsprachigen Gemeinschaft glücklicherweise nicht beobachten lässt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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