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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 736

10. Juni 2021 – Frage von C. Kraft an Ministerin KLINKENBERG zu Depressionen und Burn-Out im Unterrichtswesen

Wie ist die Situation des Lehr-, Betreuungs- und Unterrichtspersonals auf dem Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 
 
Frage von Colin Kraft (CSP):
 
Die Corona-Situation hat vieles von den Menschen abverlangt und tut es immer noch. In zahlreichen europäischen Ländern führen Studien nun valide Daten zu Tage wie es um die Bevölkerung bestellt ist. 
Wie die Libre Belgique am 17 Mai berichtet, sind laut des Landesinstituts für Kranken- und Invalidenversicherung LIKIV-INAMI besonders die Erkrankungen von Burn-Out und Depressionen stark angestiegen. 
Demzufolge sind fast 112.000 Menschen sind Ende 2020 in Belgien allein wegen Depression oder Burn-out als arbeitsunfähig geführt worden. Vergleicht man das mit der Situation vier Jahre vorher, Ende 2016, dann reden wir hier von einer Zunahme von 42 Prozent bei den Depressionen und 33 Prozent bei den Burn-outs. Berücksichtigt man alle Fälle von Arbeitsunfähigkeit, so hat sich die Zahl in den letzten vier Jahren auf über 470.000 erhöht. Das bedeutet eine Zunahme von rund 21 Prozent. Sprich Depressionen und Burn-outs sind überdurchschnittlich stark gewachsen. Gerade Soziale Berufe wie u.a. im Unterrichtswesen, die schon vor der Krise von Erschöpfungserkrankungen geprägt waren,  
 
Dazu meine Fragen:
- Wie ist die Situation des Lehr-, Betreuungs- und Unterrichtspersonals auf dem Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft? 
- Wie schätzt die Regierung der DG die Situation bei den SchülerInnen in Bezug auf die beschriebenen Erkrankungen ein? 
- Welche Maßnahmen werden ergriffen, um diesem Trend entgegenzuwirken?
 
Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
 
die Regierung ist froh, dass den Kindern und Jugendlichen – anders als in anderen Ländern – Priorität eingeräumt wurde und die meisten Schüler – nämlich die Grundschüler, die Förderschüler, die Auszubildenden und die Sekundarschüler der 1. Stufe - in diesem Schuljahr Vollzeitpräsenzunterricht erhalten haben. Leider mussten die Schüler der 2. und 3. Sekundarstufe in diesem Schuljahr über mehrere Monate im Hybridunterricht lernen. Dem Bericht von Kaleido vom 4. Februar 2021 zur Coronakrise und den psychosozialen Folgen für Kinder und Jugendliche ist zu entnehmen, dass die aktuelle Studienlage ein differenziertes Bild zeigt. Viele Familien und Kinder oder Jugendliche scheinen recht gut durch die Pandemie zu kommen, dies ist jedoch nicht für alle der Fall. In Beratungsgesprächen stellte Kaleido fest, dass z.B. Schulstress, Panikattacken, Schulabwesenheit und Suizidgedanken verstärkt oder in komplexerer Form auftauchen. Kaleido kann diese Feststellung derzeit noch nicht mit konkretem Zahlenmaterial belegen, beabsichtigt jedoch, künftig und unabhängig von der Pandemie flächendeckende Befragungen durchzuführen. 
 
Die Regierung hat in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche Rückmeldungen von Schulleitern, Lehrern, Schülern und Eltern erhalten. Diese decken sich mit der Einschätzung von Kaleido. Auch wenn nicht alle Schüler unter der Krise leiden, so bereitet es mir doch große Sorge, dass das Wohlbefinden zahlreicher Schüler beeinträchtigt ist. Um ein umfassendes und repräsentatives Bild der Situation zu erhalten und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können, habe ich, wie Sie wissen, die externe Evaluation gebeten, eine Befragung bei Lehrern, Schulleitern, Eltern und Schülern durchzuführen. Diese wird zurzeit ausgewertet. Bereits vor einigen Monaten - noch bevor der Bericht von Kaleido erschienen ist - habe ich Kaleido mit der Planung und Durchführung von Workshops zur Stärkung der Schüler betraut. Diese Workshops zur Stressbewältigung und zur Förderung der Resilienz wurden im Mai den Abiturienten angeboten und fanden positiven Anklang. Sie sollen nächstes Jahr auf andere Jahrgänge ausgeweitet werden. Auch die Ergebnisse der Umfrage zum Hybridunterricht und zum Wohlbefinden der Schüler werden es uns nach gründlicher Auswertung und Evaluation erlauben, Angebote auf den Bedarf abzustimmen. 
Außerdem habe ich Kaleido bereits drei zusätzliche Vollzeitäquivalente gewährt, um im psycho-emotionalen Bereich die Bekämpfung der Folgen der Pandemie besser bewältigen zu können.
 
Für die Personalmitglieder des Unterrichtswesens zeigt die Änderung in der Struktur der krankheitsbedingten Fehlzeiten eine deutliche Abnahme der eintägigen Abwesenheiten und eine Zunahme der mittel- und langfristigen Erkrankungen. 
Die Binnenstruktur der Diagnosen aus dem Bereich der Psyche und der Verhaltensstörungen besteht im Verlauf der Corona Pandemie stetig zunehmend aus den folgenden Einzeldiagnosen:
- Psychische Erschöpfung
- Belastungsstörung
- Anpassungsstörung
- Burn Out
- Depressive Episode
Eine prozentuale Angabe innerhalb des Diagnosespektrum ist generell nicht möglich, lediglich das Ranking.
 
Die Gesundheit der Personalmitglieder soll in Zukunft über passgenauere und zugänglichere Präventionsangebote gestärkt werden. Darüber hinaus wird man die bestehenden Weiterbildungsangebote der AHS zur Lehrergesundheit und zu Stressmanagement aktiver bewerben, die Rubrik zur Lehrergesundheit auf dem Bildungsserver ist verbesserungswürdig und wird neu gestaltet werden und es ist vorgesehen die dienstrechtlichen Maßnahmen für langzeitkranke Personalmitglieder zu überdenken und zu flexibilisieren. Der Ursprung der Anstrengungen, die hier unternommen werden sollen, ist allerdings nicht ausschließlich in der Corona-Krise zu finden, sondern beruht vorwiegend auf der Langzeitanalyse der krankheitsbedingten Abwesenheiten im Unterrichtswesen.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit
 
 
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