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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 171

17. Juni 2021 – Frage von J. Huppertz an Herrn Minister Antoniadis zum Essen auf Rädern

Wie gestaltet sich die Preispolitik der einzelnen Anbieter?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Jolyn Huppertz (CSP), vom 6. Mai 2021:

Alle Gemeinden der Deutschsprachigen Gemeinschaft bieten in Zusammenarbeit mit den ÖSHZ einen Dienst "Essen auf Rädern" an. Das Angebot ist je nach Gemeinde unterschiedlich und umfasst einen Lieferservice ins Haus.*
Meine Fragen:
1. Wie gestaltet sich die Preispolitik der einzelnen Anbieter?
2. Sind die Dienste defizitär?
3. Wie hat sich die Nachfrage während der Pandemie entwickelt?
 
Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

Vorab möchte ich Ihnen mitteilen, dass jedes ÖSHZ auf seine Art und Weise auf Ihre Fragestellung geantwortet hat. Das ein oder andere ÖSHZ war ausführlicher als das andere. Daher beantworte ich die Fragen 1 und 3 pro ÖSHZ/Gemeinde.
Am Ende antworte ich Ihnen auf die 2. von Ihnen gestellte Frage für alle ÖSHZ, da alle Antworten dieselbe Aussage unterstreichen.

ÖSHZ Amel

Im ÖSHZ Amel bezahlt der Nutznießer 3,50 €, 4,00 € oder 5,00 € je nach Einkommen und pro Mahlzeit. Die Mahlzeiten werden einmal pro Woche tiefgekühlt ausgeliefert.
Laut dem ÖSHZ Amel ist die Nachfrage während der Pandemie mehr oder weniger gleichbleibend geblieben. Ebenfalls teilt das ÖSHZ Amel mit, dass neben dem ÖSHZ Amel auch noch andere Privatanbieter in der Gemeinde warmes Essen ausfahren wie zum Beispiel der Hof PETERS aus EMMELS sowie PIRONT aus WEISMES.

ÖSHZ Burg-Reuland

Zu der Preispolitik und zur Nachfrage während der Pandemie kann das ÖSHZ Burg-Reuland keine Auskunft geben. Das ÖSHZ Burg-Reuland bietet schon seit einigen Jahren keinen Dienst „Essen auf Rädern“ mehr an, da sich ihr Angebot nur auf tiefgekühltes Essen belief und kein Bedarf mehr bestand. In Burg-Reuland deckt das Sortiment der Fertiggerichte, die in zahlreichen Geschäften und auch beim Frischdienst angeboten werden, die Nachfrage. Außerdem liefern Hof Peters (in einigen Dörfern) und die Metzgerei Piront aus Weismes frisch zubereitetes und vor allem warmes Essen in der Gemeinde aus.

ÖSHZ Büllingen:

Das ÖSHZ Büllingen bezieht die warmen Mahlzeiten für seinen Dienst „Essen auf Rädern“ täglich frisch aus der Großküche des Seniorenheims „Hof Bütgenbach“ (Träger: Interkommunale VIVIAS Eifel).
Im Jahre 2013 entschied der Verwaltungsrat der Interkommunale VIVIAS den Herstellungspreis der Mahlzeiten ab dem 1. Juni 2013 anzupassen, um eine kostendeckende Zubereitung der Mahlzeiten sicherzustellen und um weiterhin die vorgegebene Qualität anzubieten (Preiserhöhung von 87%: 4,06 €/Mahlzeit; 7,60 €/Mahlzeit).
Da nun selbst das ÖSHZ seit jeher diesen Dienst mit einem erheblichen Defizit organisiert, sah das ÖSHZ. Büllingen sich leider gezwungen, oben erwähnte Erhöhung des Einkaufspreises vollständig auf die Verkaufspreise umzulegen.
Hierzu muss man wissen, dass der Dienst „Essen auf Rädern“ des ÖSHZ Büllingen jeden Tag (außer an Sonn- und Feiertagen), zwei Fahrzeuge auf dem Gebiet der Gemeinde Büllingen einsetzt, um eine zeitgerechte Lieferung der Mahlzeiten (zwischen 11 Uhr 45 und 13 Uhr 00) zu gewährleisten. Die Gemeinde Büllingen ist geografisch gesehen die größte Gemeinde der DG und die zweitgrößte der Wallonie.

Der Sozialhilferat des ÖSHZ Büllingen entschied in seiner Sitzung vom 15.05.2013, die Tarife der warmen Mahlzeiten des Dienstes „Essen auf Rädern“ ab dem 1. Juni 2013 wie folgt anzupassen. Diese sind zurzeit auch noch aktuell. Das ÖSHZ Büllingen unterscheidet bei der Preispolitik zwischen:
1. Krankenkassenregime der Nutznießer
2. Anzahl Mahlzeiten pro Haushalt

 
Die Nachfrage der warmen Mahlzeiten ist während der Pandemie im ÖSHZ Büllingen und auch im Vergleich der Jahre 2019 und 2020 angestiegen. 550 Essen mehr wurden im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 ausgefahren. Aber auch das Jahr 2021 lässt einen weiteren Anstieg der Anfrage vermuten. Auch gilt anzumerken, dass in den ersten 5 Monate des Jahres 2021 bereits 5 Essen mehr pro Tag im Durchschnitt, im Vergleich zu letztem Jahr, ausgeliefert wurden. Im Jahre 2020 belief sich diese Zahl auf 35 Essen pro Tag im Durchschnitt.

ÖSHZ Bütgenbach

Der Preis für das gelieferte Essen ist ebenfalls im ÖSHZ Bütgenbach einkommensabhängig und variiert zwischen 9,35€ und 10,75€ . Das ÖSHZ verteilt warmes, täglich zubereitetes Essen vom Wohn- und Pflegezentrum „Hof Bütgenbach“ (Suppe, Hauptgericht, Dessert) an 5 Wochentagen.
Die Nachfrage ist seit 2019 steigend. Laut ÖSHZ hängt dies aber eher damit zusammen, dass die älteren Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und hier vom Zusammenspiel einzelner Dienstleistungen profitieren (Familienhilfe, Krankenpflege, Essen auf Räder, Notrufgerät, usw.). Ein Anstieg aufgrund der Pandemie konnte laut der Gemeinde Bütgenbach allerdings nicht festgestellt werden.

ÖSHZ Eupen:

Die Preispolitik im ÖSHZ Eupen teilt sich in ein Tarifsystem von 3 Stufen auf:
Tarif 1 - allgemeiner Tarif: 8,10 €
Tarif 2- reduzierter Tarif für Personen mit Statut erhöhter Erstattung durch Krankenkasse: 6,50€
Tarif 3 – Sozialtarif für Personen, die festzulegenden Kriterien bei Einkünften und Sparguthaben entsprechen: 5,00 €
Die Gewährung von Tarif 3 erfolgt nur durch den Sonderausschuss. Die Gewährung von Tarif 1 und 2 erfolgt nach dem bisherigen Modus über den Dienst für Häusliche Hilfe.
Im ÖSHZ Eupen war eine steigende Nachfrage festzustellen. Die ganzen Kapazitäten der Lieferwagen waren während der Pandemiezeit ausgeschöpft (3 Wagen x 48 Essen + Warmhalteboxen). Dies war auch der Schließung der drei Stadtviertelessen (Oberstadt, Unterstadt, Kettenis) wegen des Lockdowns im März 2020 und im Oktober zu verschulden. Somit war eine Umverteilung der Gäste der Stadtviertelessen auf die drei Routen von Nöten. Das ÖSHZ liefert von Montag bis Freitag warme Mahlzeiten. Das Samstagsessen wird am Freitag mitgeliefert.
Es wurden insgesamt 150 bis 200 Essen pro Tag und freitags zusätzlich rund 60 Samstagessen geliefert.
Es konnten insgesamt 30 Neukunden in der Corona-Pandemie dazugewonnen und beliefert werden. Dennoch stehen ca. 12 Kunden noch auf der Warteliste. Diese 12 Kunden (Warteliste) können in die bestehenden Routen aufgenommen werden, sobald die Stadtviertelessen wieder öffnen können/dürfen.

ÖSHZ Kelmis:

Die Preispolitik im ÖSHZ Kelmis teilt sich in ein Tarifsystem von 4 Stufen auf, die ebenfalls einkommensabhängig sind.
Seit dem 01.01.2020 gelten folgende Tarife:
Kategorie 1: 5,75 € pro Essen
Kategorie 2: 6,50 € pro Essen
Kategorie 3: 7,05 € pro Essen
Kategorie 4: 7,30 € pro Essen
Einkommenstabelle zur Berechnung der Beiträge der Nutznießer gemäß den Einkünften (ab dem 01.01.2020):

Diese Tendenz scheint sich ebenfalls für das Jahr 2021 zu bestätigen. Somit wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 bereits 661 Essen mehr ausgeliefert als in den ersten drei Monaten des Jahres 2020.

ÖSHZ Lontzen

Beim ÖSHZ Lontzen kostet das Essen 6,50 €.
Auch hat die Nachfrage laut ÖSHZ Lontzen einen enormen Anstieg erlebt. Grundsätzlich hat das ÖSHZ Lontzen eine Kapazität für 32 Essen. Diese werden werktags ausgeliefert. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, freitags ein Essen für samstags vorzubestellen. Vor der Pandemie waren es nur rund 20 Essen, die täglich ausgefahren wurden. Während der Pandemie musste das ÖSHZ sich einen größeren Ofen ankaufen, um die Möglichkeit zu haben, bis zu 48 Essen auszuliefern. Bis zur Ankunft dieses Ofens müssen sie nun mit einer Warteliste arbeiten.

ÖSHZ Raeren

Bis April 2020 berechnete das ÖSHZ Raeren 5.92€ (BIM) bzw. 7.32€ (ohne BIM) pro Essen. Seit Mai 2020 berechnen sie 6.03€ (BIM) bzw. 7.46€ (ohne BIM) pro Essen, da auch das Marienheim, von dem sie das Essen beziehen, seit Januar 2020 ein Essen für 6.07€ anbietet. Sie liefern ganzjährig (365 Tage) eine warme Mahlzeit ins Haus.
Seit der Pandemie haben Sie 2 Autos und 2 Wärmeschränke, damit die Mahlzeiten in einem überschaubaren Zeitraum und warm geliefert werden können. Die Anmeldung, Registrierung und Abrechnung wurde zum 1. April 2021 mittels eines Verwaltungstools digitalisiert und ist direkt mit der Küche des Marienheims verbunden. Die Fahrer erfassen die Kunden, die Mahlzeiten, die Sonderwünsche und die Auslieferungszeiten direkt über ein Tablet.
Die Nachfrage ist während der Pandemiezeit gestiegen.
Im Januar 2020 hat das ÖSHZ Raeren insgesamt 987 Essen ausgeliefert. Im März 2020 bereits 1278 und im April 2021 einen Höhepunkt von 1759 Essen.
Von Mai 2020 bis Dezember 2020 sankt zwar die Anzahl Essen, blieb mit einem Durchschnitt von 1476 pro Monat dennoch stark erhöht.

ÖSHZ Sankt-Vith

Zu der Preispolitik und zur Nachfrage während der Pandemie können das ÖSHZ Sankt-Vith sowie das ÖSHZ Burg-Reuland keine Auskunft geben. Der Sozialhilferat des ÖSHZ Sankt Vith hat im Februar 2018 beschlossen, das Angebot „Essen auf Rädern“ einzustellen.
Die Entscheidung wurde damals folgendermaßen begründet:
Aufgrund der Tatsache, dass der Dienst „Essen auf Rädern“ auf vier Kunden zurückgegangen ist, von denen nur mehr eine Person wöchentlich 5 Essen bestellt und die drei anderen lediglich 1 – 2 mal im Monat kleinere Bestellungen aufgeben und dabei auch nur bestimmte Menüs wünschen;
In Anbetracht dessen, dass das ÖSHZ immer eine größere Bestellung bei der Lieferfirma in Auftrag geben muss und die gelieferten Menüs nicht vorab auswählen kann, was zur Folge hat, dass sich der Warenbestand in den beiden vorhandenen Gefriertruhen angehäuft hat und keine Abnehmer mehr findet;
Aufgrund der erfolgten Rücksprache mit den noch verbliebenen vier Kunden, für die jeweils in Absprache eine individuelle Lösung für die Verpflegung gefunden werden konnte; beschließt der Sozialhilferat den Dienst „Essen auf Rädern“ zum Ende des Monats Februar einzustellen.
Das ÖSHZ Sankt-Vith möchte aber hinzufügen, dass der Sozialbetrieb „Hof Peters“ wie auch andere Traiteure in der Gemeinde Sankt Vith ein warmes Mittagessen nach Hause liefern.
2.) Alle ÖSHZ bestätigen, dass der Dienst „Essen auf Rädern“ defizitär ist. Die niedrigen Nutznießerbeiträge, aber auch die kleine Marge, die auf jedes einzelne Essen erzielt wird, deckt bei weitem nicht die Kosten für Personal (Fahrerinnen und administratives Personal), Fahrzeug und Wärmeschrank. Alle sind sich allerdings einig, dass der Dienst sich als soziale Dienstleistung der Gemeinde an die Bürger versteht und zudem unablässig ist und somit die Gemeinde auch das Defizit trägt.

* https://www.ostbelgienlive.be/desktopdefault.aspx/tabid-3137/5789_read-8988/  

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