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Fragen und Antworten

Schriftliche Frage Nr. 172

28. Juni 2021 – Frage von D. Stiel an Herrn Minister Antoniadis zu Nebenwirkungen der PCR-Tests

Wird oder wurde das Fachpersonal in der DG, das die Abstriche durchführt, auf diese Risiken hingewiesen?

Frage von Diana Stiel (Vivant), vom 29. April 2021:

Die mit einem Tupfer entnommenen Proben, der nasopharyngeale Abstrich oder einfach Nasenabstrich, sind zur "Referenzmethode" geworden, sei es für PCR- oder manche Antigen-Tests.
Die französische Akademie für Medizin hat im April diesen Jahres darauf hingewiesen, dass die Methode der ständigen Nasenabstriche nicht ohne Risiko ist.* Tatsächlich ist die Zahl der Tests seit Beginn der Epidemie sprunghaft angestiegen. Lag die maximale Anzahl Tests bei der ersten Welle noch etwas über 100.000, so lag das Maximum in der KW12 diesen Jahres bei 478.915 Tests – in einer Woche wohlgemerkt.
Angesichts der enormen Zunahme und Wiederholung von Nasenabstrichen, die manchmal unter ungeeigneten Bedingungen entnommen werden, sei es wichtig, an die zu beachtenden Vorsichtsmaßnahmen und die Risiken zu erinnern. Obwohl einige Komplikationen als gutartig angesehen werden können (Unwohlsein, Schmerzen oder Blutungen), wurden in den letzten Wochen in der medizinischen Literatur ernsthafte Komplikationen beschrieben, insbesondere Brüche der vorderen Schädelbasis, die mit dem Risiko einer Meningitis verbunden sind, so die Akademie.**, ***, ****
Bereits im Januar 2021 erlitt eine Frau aus Osnabrück eine Verletzung am Schädelbasisknochen*****, ausgelöst durch einen Nasenabstrich bei einem PCR-Test. Der Frau floss infolge des Tests Hirnwasser aus der Nase. Erst durch eine Operation konnte die Verletzung behoben werden.
Eine solche Verletzung durch einen Nasenabstrich ist natürlich äußerst selten. Es zeigt aber auf, dass eine unsachgemäße Durchführung große Risiken birgt. Aus diesem Grund sollen die Tests ja auch ausschließlich von geschultem medizinischen Fachpersonal durchgeführt werden.
Bei Kindern sollte gänzlich auf Tests verzichtet werden. Ist dies unmöglich, sollten Tests anhand von Speichelproben durchgeführt werden.

In Ihrer Eigenschaft als Gesundheitsminister möchten wir Ihnen diesbezüglich gerne folgende Fragen stellen:
1. Wird oder wurde das Fachpersonal in der DG, das die Abstriche durchführt, auf diese Risiken hingewiesen?
2. Sind Ihnen gravierende Nebenwirkungen der Nasenabstriche bekannt, in der DG – in Belgien? Wenn ja, wie viele Meldungen hat es gegeben? Wenn nein, werden etwaige Nebenwirkungen überhaupt irgendwo erfasst?
3. Sehen Sie eine Gefahr, dass das ständige monotone Wiederholen der Nasenabstriche beim ausführenden Fachpersonal unbewusst zu einer unsachgemäßen Durchführung leiten könnte?


Antwort von Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit und Soziales:

Ich möchte darauf hinweisen, dass es sich hierbei um eine föderale Zuständigkeit handelt.
1) & 2) Im Gegensatz zum Ausland werden die Abstriche in den Testzentren, den Krankenhäusern und Arztpraxen ausschließlich von Krankenpflege- oder ärztlichem Personal durchgeführt. Uns sind keine Nebenwirkungen oder derartige Situation aus Ostbelgien bekannt. Dass ein Nasenabstrich durchaus unangenehm sein kann, ist verständlich. Die Vorteile dieses Instruments überwiegen den hier oder an anderer Stelle erwähnten Nachteilen. Unser Ziel muss es sein, diese Pandemie zu beenden.
Sciensano gibt die Prozeduren zum Testing und zur Probeentnahme für die PCR-Tests im Rahmen der Corona-Krise vor. Diese werden regelmäßig aktualisiert und sind auf der Webseite von Sciensano jederzeit einsehbar:
https://covid-19.sciensano.be/fr/procedures/prelevement-dechantillons
3) Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass die angeführte Argumentation für sämtliche diagnostische und therapeutische Mittel im Medizinbereich gilt. Dazu gehören unter anderem Röntgenaufnahmen, Blutabnahmen, Operationen/chirurgische Eingriffe, etc… Medizinische Kunstfehler können bei der INAMI gemeldet werden, siehe Webseite: https://www.inami.fgov.be/fr/themes/accidents-medicaux/Pages/default.aspx

*Académie National de Médecine - les prélèvements nasopharyngés ne sont pas sans risque - https://www.academie-medecine.fr/les-prelevements-nasopharynges-ne-sont-pas-sans-risque/ 
** Föh B et al. - Complications of nasal and pharyngeal swabs - https://www.ncbi.nlm.nih. 
gov/pmc/articles/PMC7736753/ 
*** Alberola-Amores FJ et al. - Meningitis due to cerebrospinal fluid leak after nasal swab testing for Covid 
-19 - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33480112/ 
**** Sullivan CB et al. - Cerebrospinal fluid leak after nasal swab testing for coronavirus disease 2019 - https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33022069/ 
***** Kreiszeitung - Schädelverletzung nach Corona-Test - https://www.kreiszeitung. 
de/lokales/niedersachsen/schaedelverletzung-nach-corona-test-frau-muss-operiert-werden-zr-90484119.html  

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