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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 812

7. Oktober 2021 – Frage von J. Grommes an Ministerin KLINKENBERG zur Weiterbildung „Förderung von Schülern mit besonderer Begabung“

Konnten alle freien Plätze für diese Weiterbildung besetzt werden?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von José Grommes (ProDG):

Die Weiterbildung „Förderung von Schülern mit besonderer Begabung“, welche die Deutschsprachige Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Uni Mons anbietet, wurde zur Besetzung der letzten freien Plätze auch für externe Personen geöffnet. Neben Lehrkräften können sich somit auch Selbstständige und Personalmitglieder von Einrichtungen für die Weiterbildung einschrieben, welche in ihrem Alltag mit Kindern mit besonderer Begabung arbeiten. Das berichtete das Grenzecho am 11. September 2021.
In einer entsprechenden Pressemitteilung schreiben Sie dazu: „Wir möchten in der ostbelgischen Förderpädagogik jeden einzelnen Schüler und seine spezifischen Bedürfnisse in den Mittelpunkt rücken und ihm die bestmögliche Förderung zukommen lassen. (…) In den letzten Jahren wurde vermehrt Hochbegabung in den ostbelgischen Bildungseinrichtungen diagnostiziert. Diese Schüler sind teilweise im normalen Regelunterricht unterfordert, was zu Verhaltensauffälligkeiten beim Kind führen kann. Wir müssen ihnen ermöglichen, ihre Potenziale frei entwickeln zu können. Dazu benötigen wir entsprechend geschultes Personal inner- und auch außerhalb unserer Bildungseinrichtungen.“
Dass es wichtig ist, jedem Schüler die Förderung zukommen zu lassen, die er braucht, kann an dieser Stelle nur nochmal unterstrichen werden. Auch, dass es dazu adäquat geschultes Personal braucht, liegt auf der Hand. Und dass auch das betreuende Personal - außerhalb von Schulen - für die besonderen Bedarfe der einzelnen Schüler geschult ist, kann nur ein Mehrwert sein.

Meine Fragen an Sie, Frau Ministerin, lauten:
-­ Konnten alle freien Plätze für diese Weiterbildung besetzt werden?
­- Aus welchen Berufsgruppen setzt sich die Teilnehmerliste zusammen?

Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Entwicklung der Förderpädagogik ist, wie Sie wissen, als Schwerpunktthema im regionalen Entwicklungsprojekt verankert. Das Projekt „Zukunft der Förderpädagogik in Regelschulen“ sieht die Sensibilisierung sowie die Aus- und Weiterbildung der Lehrer im Bereich der Hochbegabung vor.

In diesem Rahmen bieten wir eine zertifizierende Weiterbildung im Bereich der Hochbegabung durch die Universität Mons mit dem Titel „Certificat d’université en intervention auprès des enfants et des adolescents à hauts potentiels en difficulté“ an.
Vorgesehen war eine Gruppengröße zwischen 15 und 20 Teilnehmern. Schlussendlich haben sich 17 Personen zu dieser Weiterbildung angemeldet und auch bereits zwei Module absolviert. 

Diese Weiterbildung wurde als 14 ECTS umfassender berufsbegleitender universitärer Zertifikatslehrgang konzipiert. Um den Unterrichtsalltag in den Schulen zu erleichtern, wurde sie so aufgebaut, dass sie sich NUR über ein Schuljahr mit einer Dauer von insgesamt 9 Monaten erstreckt. Des Weiteren wurden die Weiterbildungsdaten bereits ab dem 5. Mai 2021 mitgeteilt, um die Anpassung der Stundenpläne für Interessierte zu ermöglichen.

Die Weiterbildung richtet sich sowohl an Pädagogen als auch an Psychologen, Logopäden und Sozialarbeiter. Diese Vielfalt an Teilnehmern mit unterschiedlichen Profilen stellt einen Mehrwert beim Austausch im Rahmen der Weiterbildung dar und führt zu einer Qualitätssteigerung bei der Begleitung von hochbegabten Schülern im ostbelgischen Unterrichtswesen. 

Wir zählen unter den Teilnehmern sieben Personen mit einer Primarschullehrerausbildung. Davon arbeiten 3 als Förderpädagogen und eine als Schulleiterin. Auf Sekundarschulebene haben sich drei Personen eingetragen, wovon eine Person aktuell die Ausbildung für pädagogische Führungskräfte absolviert. 

Ein internes ostbelgisches Angebot ermöglicht eine gemeinsame Fachsprache, ein vertieftes Verständnis der Thematik und die Aneignung von Fachkompetenzen in der Begleitung dieses Zielpublikums. Ein solches Angebot stärkt somit die zukünftige Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Einrichtungen. An dieser Weiterbildung nehmen beispielsweise Psychologen des Beratungstherapiezentrums und der Jugendhilfe, Sozialarbeiter von Kaleido Ostbelgien sowie mehrere Logopäden teil, wovon eine Person beim Patientenrat beschäftigt ist. Hinweisen möchte ich an dieser Stelle darauf, dass Vertreter des Patientenrats in der Arbeitsgruppe Hochbegabung ebenfalls mitwirken. Die vorerwähnte Arbeitsgruppe hat den Aufbau dieser Weiterbildung unterstützt. 

Die Rückmeldungen der Teilnehmer nach 2 Tagen Weiterbildung erfreuen uns. Sie haben uns mitgeteilt, dass die Weiterbildung sehr praxisbezogen ist. Sie orientiert sich am ostbelgischen Unterrichtswesen, der hiesigen Gesetzgebung sowie unserem Verständnis der Doppeldiagnosen bei Teilleistungsstörungen.

Das Weiterbildungskonzept sieht ebenfalls eine Studienbegleitung vor, die den Teilnehmern für Fragen zur Weiterbildung, zur Unterstützung des besseren Verständnisses sowie zur Hilfestellung bei der Erstellung der Studienarbeit zur Verfügung steht.  Ein weiterer großer Mehrwert dieser Studienbegleitung liegt in der Begleitung der in diesem Rahmen erstellten Projekte in Schulen. Um die Nachhaltigkeit dieser Projekte zu fördern, wird diese Begleitung sowohl für das Schuljahr 2021/2022 als auch das Schuljahr 2022/2023 gewährleistet.

Diese Weiterbildung ist somit ein erster, aber wichtiger Schritt zur Sensibilisierung und Weiterbildung der Lehrer im Bereich der Hochbegabung. 


Danke für Ihre Aufmerksamkeit

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