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Fragen und Antworten

Mündliche Frage Nr. 671

6. Mai 2021 – Frage von C. Kraft an Ministerin KLINKENBERG zum Lernrückstand bei SchülerInnen der Sekundarschulen der DG

Teilt die Regierung die Ansicht, dass zusätzliche Angebote gegen einen eventuellen Lernrückstand der SchülerInnen geschaffen werden müssen?

Die nachfolgend veröffentlichte Frage und die Antwort entsprechen den hinterlegten Originalfassungen. Die endgültige Version ist im Bulletin für Interpellationen und Fragen (BIF) veröffentlicht. 

Frage von Colin Kraft (CSP):

In allen angrenzenden Regionen und Ländern belegen zahlreiche Umfragen und Studien, Lernrückstände bei SchülerInnen schon für das Jahr 2020. Ostbelgien wird da sicherlich keine Ausnahme bleiben. Dies hat der zuständige Dienst der DG im Rahmen einer Ausschusssitzung bei einer Anhörung bestätigt. 
Seit dem Oktober des letzten Jahres befinden sich in der DG alle SchülerInnen der 2. und 3. Stufe im Hybridmodus. Das bedeutet, dass sie lediglich die Hälfte der Unterrichtszeit in der Schule präsent sind bzw. waren. Die Folge ist ein Lernrückstand, der viele negative Folgen auch für die folgenden Schuljahre haben kann. Im internationalen Vergleich gehen entsprechende Verbände davon aus, dass etwa 25 Prozent der SchülerInnen „große“ bis „katastrophale“ Lernrückstände haben. 
Die Regierungen in Frankreich, Niederlanden, Luxemburg, der Bundesrepublik Deutschland und auch der Wallonie und Flandern haben entweder bereits ein Angebot geschaffen oder sind auf dem Weg, dies zu tun.  
Ein Vorschlag der CSP-Fraktion, ein Nachhilfe und Förderangebot in das dritte Krisendekret zu integrieren lehnte die Mehrheit bzw. auch die Regierung ab. Es wurde angekündigt, dies an anderer Stelle umzusetzen. 

Dazu meine Fragen:
-­ Teilt die Regierung die Ansicht, dass zusätzliche Angebote gegen einen eventuellen Lernrückstand der SchülerInnen geschaffen werden müssen? 
­- Wie will die Regierung dieser Herausforderung begegnen? 
­- Welche konkreten Maßnahmen werden zusätzlich zum bestehenden Angebot vor Ende des Schuljahres 2020/2021 geschaffen?

Antwort von Lydia Klinkenberg (ProDG), Ministerin für Unterricht, Ausbildung, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung:

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
werte Kolleginnen und Kollegen,

seit Beginn des Hybridunterrichts empfiehlt die Regierung den Schulen die Einführung bzw. Weiterführung des selbstgesteuerten Lernens, um Lernrückständen soweit wie möglich entgegenzuwirken.

Neben Differenzierungsmaßnahmen – wie z. B. Lernen im eigenen Tempo und individuell angepasste Übungseinheiten – ermöglicht das selbstgesteuerte Lernen den Schülern, Lernsituationen eigenständig zu organisieren und weiterzuentwickeln. Die Lehrkraft hat die Aufgabe, den individuellen Lernprozess der einzelnen Schüler zu unterstützen und zu begleiten. Diese Methode bietet die Möglichkeit, Lernen im Unterricht – zu den Präsenzzeiten – und das Lernen in Einzelsituationen – wie z. B. im Homeschooling – optimal zu verbinden. Vor dem Hintergrund der pädagogischen Freiheit sind die Schulen jedoch nicht verpflichtet, dieser Empfehlung zu folgen.

Um den Lehrpersonen Werkzeuge an die Hand zu geben, wurden Im Rahmen des Projektes Digitalisierung Unterrichtsmaterialien, Tools und Apps über die Webseite der Autonomen Hochschule Ostbelgien veröffentlicht. Zusätzlich wurden Weiterbildungen wie beispielsweise zur Nutzung von digitalen Kommunikationstools und zum selbstgesteuerten Lernen für interessierte Lehrpersonen angeboten, um bestmögliche Voraussetzungen zu schaffen und Lernrückständen der Schüler vorzubeugen.
Auch im darauffolgenden Schuljahr werden weiterhin in enger Zusammenarbeit mit der AHS und in Kooperation mit externen Partnern Weiterbildungsangebote vorgesehen, um die Lehrpersonen für diese zusätzlichen Herausforderungen zu unterstützen.

Schulintern bieten bereits zur Verfügung stehende Lehrpersonen schulinterne Stützkurse für bedürftige Schüler an. Es wird vonseiten der Regierung und Verwaltung in Zusammenarbeit mit den Grund- und Sekundarschulen geprüft, inwiefern weitere Angebote geschaffen werden können. Auch wenn Nachhilfeangebote während der Sommerferien eine eventuelle Lösungspiste darstellen, so sind die meisten Schulleiter jedoch der Meinung, dass Maßnahmen vor Ort an den Einzelschulen privilegiert werden sollten. So vermerkten die Schulleiter im Rahmen der gestrigen Schulleiterversammlung, dass schulinterne kreative Lösungen angedacht werden könnten. Angesprochen wurden unter anderem die Reaktivierung von pensionierten Lehrern, Einführung von Lesepaten vor Ort oder Zusatzaufträge für interessierte Lehrpersonen an den jeweiligen Einzelschulen auf freiwilliger Basis.

Unabhängig davon ist es eines unserer Anliegen, die Endjahresprüfungen auf Wesentliches zu begrenzen, um die Chancengleichheit zu gewährleisten.

Zum aktuellen Zeitpunkt führen wir eine Evaluation durch, um eine Gesamtanalyse zum Hybridunterricht zu erhalten. Basierend auf den Resultaten aus der Umfrage, die sich an Lehrpersonen, Eltern und Schüler richten, können im Anschluss weitere Maßnahmen – auch im Hinblick auf das Gewährleisten von Unterstützungsangeboten bei Lernrückständen – ergriffen werden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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